Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Kreis » Städte und Gemeinden » Ranstadt »

Schlammpeitzger dürfen zurück in den Graben

Artikel vom 11.11.2011 - 12.32 Uhr

Schlammpeitzger dürfen zurück in den Graben

Ranstadt (pm). Damit das Grünland in der Niddaaue nutzbar bleibt, hat der Feldwegeverband Vogelsberg kürzlich im Auftrag der Gemeinde den »Sauweidgraben« ausgemäht. Dessen Wasser durchfließt die Wiesen zwischen Ranstadt, Ober-Mockstadt und Dauernheim.

dab_schlammpeitzger_1111_4c_2_1
Lupe - Artikelbild vergrössern
Einer der kapitalen Schlammpeitzger aus dem »Sauweidgraben«.
Mitglieder des Angelsportvereins Dauernheim achteten darauf, dass der vom Aussterben bedrohte Schlammpeitzger bei den Arbeiten nicht zu Schaden kam. Außerdem kam zum Schutz der Tiere ein Mähkorb zum Einsatz.

Nach Hinweisen der Angler hat ein Mitarbeiter des Frankfurter Senkenberg-Instituts in diesem Grabensystem bereits Anfang 2009 ein Vorkommen des Schlammpeitzger bestätigt.

Der Schlammpeitzger zählt zu den seltensten Fischarten in Hessen. Ganze drei Populationen sind überhaupt noch bekannt. Zwei davon in Südhessen und eine im Niddaeinzugsgebiet. Der zu der Familie der Schmerlen gehörende Fisch hat einen bis zu 30 Zentimeter langen aalartigen Körper mit sechs Barteln am Maul. Sein Lebensraum sind nährstoffreiche, langsam fließende oder stehende Gewässer mit schlammigem Grund und üppigem Bewuchs. Dies sind typische Auengewässer, wo er auch heute noch in den Gräben als Ersatzlebensraum vorkommt.

Unter den heimischen Fischen kann sich der Schlammpeitzger besonders gut an extremen Lebensraum anpassen, er übersteht Phasen des Sauerstoffmangels oder der Austrocknung. Durch seine Fähigkeit zur Darmatmung, also an der Wasseroberfläche Luft zu schlucken und im Darm den Sauerstoff zu entziehen, überlebt er selbst dort, wo es andere Fische schon lange nicht mehr schaffen. Trockenzeiten übersteht er, indem er sich in den Schlamm des Gewässergrundes eingräbt.

Als nachtaktiver Fisch vergräbt er sich tagsüber im Sediment, um seinen Feinden, wie dem Hecht, zu entgehen. Das macht seinen Nachweis so schwer. Daher werden seine Vorkommen mit Reusenfängen und Elektrobefischungen festgestellt.

Ursprünglich dürfte der Schlammpeitzger im gesamten Rhein-Main-Gebiet verbreitet gewesen sein, aber die Trockenlegung von Feuchtgebieten und übertriebene Grabenräumungen haben ihn selten werden lassen. In der Wetterau sind nach neueren Untersuchungen mehrere Standorte in den Auen der Nidda, der Nidder und der Horloff besiedelt. Immer handelt es sich, wie beim »Sauweidgraben«, um krautreiche Gräben.

Als ehrenamtlicher Naturschützer war Thomas Allert aus Ranstadt vor Ort und konnte 14 Schlammpeitzger unterschiedlicher Größe aus dem Aushub bergen. Mindestens 50 weitere Tiere fielen durch den Rost des Mähkorbes zurück in den Graben.

Bei einer durch den Angelsportverein Dauernheim veranlassten Nachsuche seines Gewässerwartes Karl-Heinz Hoppe konnte dieser noch einmal 25 Schlammpeitzger, mit beachtlichen Größen von bis zu 30 Zentimetern, aus dem Räumgut retten und in den Graben zurücksetzen.

Die Pflege der Gräben mit einem Mähkorb zählt, im Gegensatz zum Ausbaggern mit Löffeln oder dem Einsatz von Grabenfräsen, zu den besonders schonenden Methoden, da nur wenige Tiere getötet werden und sich die Tier- und Pflanzenwelt schnell erholen kann. (Foto: pv)

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 11.11.2011 - 12.32 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang