Ranstadt (kai). Der 59-jährige Herwig Marloff amtiert für weitere drei Jahre als Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Wetterau-Frankfurt. Während der Vertreterversammlung votierten die Delegierten einstimmig für den Reichelsheimer Landwirt. Heinrich Orth (Gedern) wurde als Stellvertreter bestätigt, Andrea Rahn-Farr (Büdingen) gehört für eine weitere Amtszeit dem geschäftsführenden Vorstand an.
Sind bei den Vorstandswahlen bestätigt worden: Heinrich Orth (l.), Herwig Marloff (2. v. r.) und Andrea Rahn-Farr mit Geschäftsführer Thomas Hollritt.
Jährlich wählen die Landwirte einen Teil ihres 20-köpfigen Führungsgremiums neu, als Beisitzer gehören dazu: Hans-Rainer Hofmann, Klaus Ohly, Reinhard Schnell, Lydia Winter und Matthias Mäser. Landrat Joachim Arnold attestierte den Landwirten gute Zukunftschancen, wenn sie sich auf ihre Stärken besinnen, zu denen in der Region Ackerbau, Viehzucht und Direktvermarktung gehören. Der Wetteraukreis unterstütze die Landwirtschaft und werde sie im neuen Keltenzentrum am Glauberg integrieren, versprach er. Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel dankte den Landwirten für ihr Engagement im Naturschutz. Ranstadt habe das größte zusammenhängende Auengebiet in Hessen, das sei nur möglich durch die gute Zusammenarbeit mit den Bauern.
Marloff blickte auf ein ereignisreiches Jahr für die Landwirte zurück, das von guten Ernten, schlechten Preisen, dem Milchpreisverfall mit Protesten geprägt gewesen sei. Er lobte die Wetterauer Milchbauern: »In unserer Region haben wir miteinander geredet und nicht gegeneinander.« In einer einmaligen Aktion kauften die Landwirte an einem Tag den gesamten Milchbestand eines Discounters auf. »Wir waren erstaunt, dass dort zwei Paletten Milch lagerten.« Einig waren sich die im Bauernverband organisierten Wetterauer und Frankfurter Landwirte darin, dass nur eine starke Interessenvertretung dazu beitragen könne, dass ihre Sorgen und Nöte mit der Politik zu diskutieren. Mehrere kleine Verbände schwächten den Berufsstand. »Es geht nicht ohne eine bundesweit gut aufgestellte Interessenvertretung, ein bäuerliches Sprachrohr ist wichtig«, sagte Marloff.
Deshalb motivierte Thomas Hollritt, seit August Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes, Mitglieder für den Bauerverband zu gewinnen. Eine Idee dazu präsentierte Andrea Rahn-Farr: Sie bot jungen Landwirten, die noch keinen Hof bewirtschaften, eine Junior-Mitgliedschaft mit allen Vorteilen des Verbandes an. Der Bauernverband berechnet seine Beiträge nach bewirtschafteter Fläche, die übernehmen junge Landwirte erst später, sie sollen jedoch schon frühzeitig in den Strukturen mitarbeiten können. Hollritt wies auf die Vorteile des Bauernverbandes hin: Informationen, Fortbildung, günstigeren Einkauf bei bestimmten Unternehmen, Hilfe bei Fragen der Sozialversicherung, die gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit. Er nannte Hoffeste und das Kreiserntedankfest, das 2010 in Steinfurth auf dem Areal der Rosenunion gefeiert wird, sowie das Engagement während der Landesgartenschau.
Für langjähriges Engagement im Bauernverband zeichnete Marloff drei Landwirte mit der Silbernen Ehrennadel des Hessischen Bauernverbandes aus: Willi Lange, Lothar Blümlein und Heinrich-Peter Reuther.
»Chancen im Energiesektor«
Über Finanzierungswege des Unternehmens Landwirtschaft informierte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Oberhessen, Günter Sedlak. Chancen gebe es im Energiesektor. Den Strukturwandel analysiert er nüchtern als gestiegene Produktivität. 1949 gab es in der Wetterau noch 13 309 Bauernhöfe, 2008 tauchten noch 1169 in der Statistik, die Sedlak präsentierte, auf. Binnen der fast 60 Jahre haben sich die Betriebe von seinerzeit 5,4 Hektar auf 30,6 Hektar vergrößert. »Die Landwirtschaft hat für uns eine sehr hohe Bedeutung«, betonte Sedlak. Die Wetterau ohne Landwirtschaft sei unvorstellbar.
Resolution gegen Erosionskataster verabschiedet
Ein Thema sorgt für Verwirrung und Irritation bei den Wetterauer Landwirten: das Erosionskataster. »Da haben offensichtlich einige Menschen geschlafen und ihre Aufgaben nicht erfüllt«, sagte der Ehrenpräsident des Hessischen Bauernverbandes, Heinz-Christian Bär, bei der Vertreterversammlung des Regionalbauernverbandes in Ranstadt.