Ranstadt-Dauernheim (im). Auf der Roten Liste Hessens wird er als »Vom Aussterben bedroht« gekennzeichnet: der Schlammpeitzger. Der urtümliche Grundfisch aus der Gattung der Schmerlen galt in hiesigen Breiten lange Zeit als nahezu verschwunden.
Überraschender Fund im Heeggraben: 738 Exemplare des vom Aussterben bedrohten Schlammpeitzgers tummeln sich bei Dauernheim. (Foto: pv)
Umso höher sei zu bewerten, dass bei Mäharbeiten im Heeggraben 738 Schlammpeitzger gezählt wurden, sagte Josef Tiefenbach vom Forstamt Nidda. Die Mäharbeiten standen unter seiner Leitung, in Abstimmung mit Ralf Eichelmann (Untere Naturschutzbehörde) und Dr. Egbert Korte vom Büro für fischökologische Studien (BFS) in Riedstadt. »Der Fund kommt einer kleinen Sensation gleich und belohnt das Engagement von Naturschützern in der Dauernheimer Nachtweide«, sagte Tiefenbach.
Mit dem Schlammpeitzger kehre ein Fisch in die heimische Natur zurück, der zahlreiche Besonderheiten aufweise. So verfügt er über ausgeprägte Überlebenstechniken wie die Darmatmung, die es dem Fisch ermöglicht, auch den Winter sowie extreme Wasserknappheit im Schlamm eingegraben zu überleben. Darüber hinaus bezeichnet man den Schlammpeitzger als »Wetterfisch«, da er bei Gewittern unruhig wird und an die Oberfläche aufsteigt.
Auf das stark vernässte Gebiet um die Dauernheimer Nachtweide war das BFS im Jahr 2008 aufmerksam geworden: Mitglieder des Angelsportvereins hatten vier Exemplare des Fisches entdeckt. Im September fand ein Ortstermin zur Weidepflege statt. Dabei kam das Forstamt zu der Auffassung, den Heeggraben zu entkrauten.
Nachdem die Arbeiten mehrmals verschoben werden mussten, gab Korte im November grünes Licht, empfahl aber, Mähkorb und Bagger schonend einzusetzen und das Mähgut nach Schlammpeitzgern abzusuchen. Bei der Aktion wurden innerhalb von 19 Stunden die 738 Schlammpeitzger gefunden und ins Heeggraben-Gewässer gesetzt.
Das Forstamt zeigt sich ebenso wie die Untere Naturschutzbehörde, das BFS und die heimischen Angelfreunde begeistert über die Entdeckung. Besonders der ASV ist stolz, neben der Sumpfschildkröte, dem Biber, dem Kormoran, der Ringelnatter und dem Eisvogel, die in den vergangenen Jahren am Heeggraben heimisch geworden sind, eine weitere Rarität - erneut - begrüßen zu können. Erneut deshalb, weil sich einige Angler, unter ihnen Jürgen Adam, erinnern, bereits in Kindertagen Bekanntschaft mit dem Schlammpeitzger gemacht zu haben. Nicht immer habe man den »Quietschaal« dorthin zurückgebracht wo er gefunden wurde. Häufig habe man die Fische im Heeggraben wieder ausgesetzt. Daher könne es durchaus möglich sein, dass die gefundenen Schlammpeitzger Nachkommen der einstigen »Kinderbeute« seien.