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Rissbildungen im Londorfer Pfarrhaus bereiten Sorgen

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Artikel vom 25.07.2014 - 09.00 Uhr

Rissbildungen im Londorfer Pfarrhaus bereiten Sorgen

Rabenau (vh). Wenn die Garde der Blauen Raben vom Londorfer Karnevalverein mitten im Sommer tanzt, dann muss der Grund schon ungewöhnlich sein. 150 Jahre evangelische Kirche Londorf, Dom der Rabenau. Am Sonntag feierte die evangelische Gemeinde nach dem Festgottesdienst hinter dem Gemeindehaus weiter.

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Spielmannszug Kesselbach beim Gemeindefest hinter dem Gemeindehaus
© Volker Heller
In reichlich großen Pfannen brutzelte das Mittagessen, später folgten Kaffre und Kuchen. Überraschungen gab es auch: Eben die Garde der Raben und auch der Spielmannszug Kesselbach. Wie es die Gießener Allgemeine Zeitung im Vorfeld bereits angekündigt hatte, stand das Pfarrhaus jedermann offen für eine persönliche Inaugenscheinnahme. Denn die Meinungen im Dorf über die Bedeutsamkeit der Risse gehen weit auseinander. Unterschiedlich, jedenfalls aber mit Schwerpunkt zur Ortsdurchfahrt hin, verteilen sich die Schäden. Woher sie denn tatsächlich rühren, ist die Kardinalfrage. Nicht der Zeitpunkt ihrer Entstehung. Der ist eindeutig. Zur Besichtigung war auch der frühere Pfarrer Andreas Luipold im Haus, er singt weiterhin im Londorfer Kirchenchor mit. Zu Pfarrer Lutz Neumeiers Zeiten sei das Pfarrhaus noch rissfrei gewesen. Das wusste Luipold genau. Erst nach seinem Einzug 2009 seien erste Haarrisse hervorgetreten. Diese wurden mehr und mehr und mittlerweile passt etwa im Obergeschoss ein Zeigefinger in den Riss, der sich von der Decke bis runter zum Fußboden zieht.
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Erich Klein (Mitte) vom Kirchenvorstand erläutert die Rissbildung im Obergeschoss des Pfarrhauses.
© Volker Heller


Nun kursieren zwar einige Theorien, wie es zur Rissbildung kommen konnte, aber es gibt kein Gutachten mit einer eindeutigen Aussage dazu. Am häufigsten wird die Kanalsanierung in der Gießener Straße vor etwa zehn Jahren genannt. Setzungen des Untergrunds würden eben erst zeitverzögert eintreten, das sei normal. Wenn dem so ist und die Hausfassade jetzt Ruhe gebe, raten diese Meinungsbildner, die Risse zuzuschmieren und fertig. Die geborstenen Fensterstürze könnten ausgewechselt werden. Risse zu, Tapete drauf und Gras über die Sache wachsen lassen.

Die Bäumetheorie besagt, dass eine Birke an der Hausecke zum Gemeindehaus, die vor einiger Zeit gefällt wurde, mit ihren Wurzeln Wasser gezogen habe und dadurch die Risse entstanden seien. Schuldig auf der Hausseite zum Burggarten hin seien die Koniferen am Rand zum Bürgersteig. Auch diese wurden auf Zaunhöhe abgesägt. Andere Meinungen sehen den dicht am Pfarrhaus vorbei fahrenden Schwerlastverkehr als Verursacher.

Eine Theorie, die jüngst Anhänger findet, beschäftigt sich mit der Besonderheit, dass am Pfarrhaus außen Londorfer Lungstein und innen Kalkstein verbaut wurde. Also ein Zweischalenmauerwerk, das gegeneinander reibe.

Die »Radikalos«, darunter berufsmäßige Statiker, würden auf das Bauwerk keinen Pfifferling geben und bevorzugten daher seinen Abriss. Klares »Nein« des kirchlichen Denkmalschutzes.

Erich Klein vom Kirchenvorstand sieht das pragmatisch. Gesetzt den Fall, man baue ein modernes Haus nach den Anforderungen der Jetztzeit und verkleide dieses mit historischer Fassade – was spräche dagegen? Auf keinen Fall wolle die Kirchengemeinde eine Sanierung finanzieren, die sechsstellig ausfalle und deren nachhaltige Wirksamkeit niemand garantieren könne.

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Artikel vom 25.07.2014 - 09.00 Uhr
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