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Rabenau: »Kinetische Plastiken« sind Jürgen Wissners Leidenschaft

Artikel vom 30.07.2010 - 08.00 Uhr

Rabenau: »Kinetische Plastiken« sind Jürgen Wissners Leidenschaft

Rabenau (bas). Die Nostalgie von Großmutters Blechspielzeug, modern und futuristisch anmutende High-Tech-Elemente, kindlicher Bastel- und Tüftelspaß, Traumwelt und Realität, Monumentales und Diffiziles, Spiel, Versuch, Witz und streng Durchdachtes, Geplantes - all das schwingt in den Arbeiten von Jürgen Wissner mit.
Jürgen Wissner (Foto) verwendet bei seinen »Kinetischen Plastiken« häufig mit Kupfer ummantelte Stahldrähte. Zahllose Lötstellen
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Jürgen Wissner (Foto) verwendet bei seinen »Kinetischen Plastiken« häufig mit Kupfer ummantelte Stahldrähte. Zahllose Lötstellen zieren seine Arbeiten. (Foto: bas)
Viele Stunden seiner Freizeit widmet der Labortechniker dem Entwerfen und Herstellen seiner »Kinetischen Plastiken«. »Kinesis« ist griechisch und bedeutet »Bewegung«, das Wort »Plastik« hat ebenfalls einen griechischen Wortstamm und beschreibt sinngemäß die geformte Figur. Bewegt Wissner nun Formen oder formt er Bewegung? Gewissermaßen trifft beides.

Bewegung findet sich in allen seinen Plastiken. So etwa beim »Laufenden Meter«. Teile von Zollstöcken mit ihren Zentimeterskalen mussten herhalten. Aus ihnen baute Wissner ein hochbeiniges Männchen, welches unermüdlich läuft. Schritt für Schritt, aber immer auf derselben Stelle, schreitet der Meter-Mann, angetrieben von einem einzigen Elektromotor. Filigran wirkend, wird der Zollstock-Geselle durch ein äußeres Gerüst, bestehend aus verlöteten Metallstreben, gestützt. Über dieses Gerüst und entsprechende Achsen und Gelenke wird die Kraft vom Motor auf Beine und Arme übertragen. Und auch wenn das Gerüst technisch notwendig ist, sorgt es für einen technischen Ausdruck der Plastik, der über das Stützen hinaus geht. In diesem Fall verlieh der Londorfer der Form, dem Maßstab-Männchen, Bewegung.

In der Plastik »verschlüsselt« nutzt er umgekehrt die Formen eher um Bewegung zu erzeugen. Im Zentrum befindet sich in ungewohnter, weil nicht senkrecht angeordneter Position, eine Türklinke mit zugehöriger Schlüsselloch-Blende. Alte Schlüssel schweben kreiselnd oder wiegend um die Klinke herum. Gleichzeitig bewegt sich diese, als wenn sie von Geisterhand pausenlos gedrückt und wieder losgelassen würde. Angenehm sinnlos wirkt die Bewegung der Gegenstände, die im Alltag nie als Dekoration oder der Freude, sondern dem Schließen und Öffnen von Türen dienen.

Gänzlich geht die Alltagsordnung verloren, wenn der Betrachter auf den unter der Plastik befindlichen Monitor schaut. Dort schwingt scheinbar ein überdimensionales Schlüsselloch hin und her, in dem der Betrachter sich selbst erblickt. Hier zwingt Jürgen Wissner genau hin zu sehen. Nur dann erkennt man, dass sich hinter dem Schlüsselloch der Türklinkenkonstruktion eine kleine Kamera befindet. Mithilfe der direkten Übertragung auf den Bildschirm macht das Gerät den Betrachter zum Teil des kinetischen Kunstwerks.

Bei aller Verschiedenheit haben jedoch alle Plastiken Wissners eines gemein. Bewegungen, seien sie noch so vielfältig, werden jeweils nur durch einen einzigen Motor angetrieben - eine Bedingung, die sich Wissner selbst stellt und die in Folge zu abenteuerlichen und spannenden Konstruktionen führt.



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Artikel vom 30.07.2010 - 08.00 Uhr
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