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Rabenau: »Kinetische Plastiken« sind Jürgen Wissners Leidenschaft

Artikel vom 30.07.2010 - 08.00 Uhr

Rabenau: »Kinetische Plastiken« sind Jürgen Wissners Leidenschaft

Eine ganz andere Auffassung von Bewegung bringt der Rabenauer, der den Wortwitz so liebt, in der »Elektrose« ein. Hier spielt im fertigen Werk sogar vergangene Bewegung während der Entstehung eine Rolle. Zunächst mal fotografierte der Tüftler in regelmäßigen Intervallen eine Rose. Dies über acht Tage, mehrmals pro Tag. Das Besondere: Zu den jeweiligen Zeitpunkten sollte die Rose von vier Seiten abgelichtet werden. Nicht nur die Auslösungen geschahen vollautomatisch. Um die vier Perspektiven zu erhalten, drehte sich die Pflanze, wiederum automatisch, auf einem Teller, jeweils mehrmals um 45 Grad. Ein Kontakt sorgte an der richtigen Position für ein Foto. Die digitalen Aufnahmen spielt Wissner in der fertigen Plastik auf vier Monitoren ab, die er um einen Mittelpunkt anordnete. Der Betrachter kann auf diese Weise die »Rose« von allen Seiten sehen und sozusagen in einem dreidimensionalen Zeitraffer verfolgen, wie sich deren rote Blüte öffnet.

Doch auch den Ton erschließt sich Jürgen Wissner. »Der letzte Schneewalzer« nennt sich eine der Plastiken. Hier erfand Wissner den Plattenspieler neu und in gewohnt filigraner Manier lässt er eine Kupfer-Stahl-Konstruktion immer wieder und natürlich ohne weiteres menschliches Zutun eine alte Schallplatte mit dem Schneewalzer im Dreivierteltakt abspielen.

Gesellschaftskritik steht bei Jürgen Wissners Arbeiten nicht im Mittelpunkt. Dennoch schwingt eine kritische Haltung in einigen der Werke mit. Spaß hat Wissner nicht nur an den eigenen Erfindungen. Viel beachtet er auch andere Künstler, verweist begeistert auf ausländische Kinetik-Plastiken in allen Variationen. Und zeigt Bilder oder Videos im Internet von gigantischen Kinektik-Kunstwerken, die sich, wie künstliche Tiere an einem Strand entlang bewegen.

Engagiert ist Wissner, der sich selbst als Freizeitkünstler betrachtet, ebenfalls im Rabenauer Kunstforum. Außerdem ist er Mitglied der Fotogruppe Londorf. In der Vergangenheit stellte er in der Grünberger Sparkasse und erst vor Kurzem in der »Galerie im Freigässer Winkel« (die AZ berichtete) aus. Vom 15. bis 29. August wird im Rahmen des fünften Internationalen Kunstwettbewerbs »bewegter Wind« eine eigens angefertigte Plastik Wissners zum Thema »Turbulenzen« in Waldeck-Frankenberg ausgestellt. Ein mehrere Meter hoher Surfer wird auf einer bewegten Welle, die mechanisch dargestellt und von Wind bewegt wird, gleiten. Der Kunstpreis ist mit 2500 Euro dotiert.



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Artikel vom 30.07.2010 - 08.00 Uhr
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