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Mit Wohngemeinschaften gegen den Leerstand

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Artikel vom 09.06.2011 - 08.36 Uhr

Mit Wohngemeinschaften gegen den Leerstand

Rabenau (sha). Es hatte den Anschein, als seien sich die Bewohner der Gemeinde Rabenau der Situation ihrer Kommune sehr bewusst: Gut 50 Zuhörer füllten am Dienstagabend alle Tischreihen im Bürgersaal Londorf, wo Referenten der Veranstaltungsreihe »Dorfvison« - organisiert vom Regionalmanagementverein Gießener Land - darüber informierten, wie gerade ältere Menschen durch die Bildung gemeinschaftlicher Wohnformen auf die Herausforderungen des demografischen Wandels reagieren können.

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Rabenau ist die einzige Kommune im Teilraum Nord, deren Bevölkerungszahl im Jahr 2010 unter den Stand von 1990 gesunken ist. (pm)
Diplom-Geografin Henriette Klinkhart erläuterte zu Veranstaltungsbeginn, dass Rabenau bereits besonders stark von den Veränderungen bei der Bevölkerungsentwicklung betroffen sei. Die Bertelsmann-Stiftung rechne bis 2025 dort mit einem Einwohnerrückgang von rund acht Prozent.

Darüber hinaus sei Rabenau die einzige Kommune im Teilraum Nord des Landkreises, die im Jahr 2010 weniger Einwohner hatte als 1990, sagte Klinkhart. Allendorf/Lumda, Buseck, Lollar und Staufenberg hätten 2010 zwischen zehn und 20 Prozent mehr Einwohner gehabt als 1990, Reiskirchen sogar über 20 Prozent. Dennoch sei die Bevölkerung auch in den anderen Kommunen des nördlichen Kreisgebietes in den vergangenen fünf Jahren geschrumpft. Als Gründe für diese Entwicklung nannte die Geografin vor allem die teilweise schlechte Infrastruktur in den ländlichen Regionen, die zu einer Abwanderung insbesondere junger Menschen führe, die ihre Arbeitsplätze meist in Städten oder städtischen Ballungsräumen fänden. Verfügten ländlich geprägte Kommunen allerdings über eine gute Infrastruktur, könnten sich junge Familien wegen der besseren Landschafts- und Umweltqualität durchaus dafür entscheiden, aufs Land zu ziehen.

Neues Leben in leeren Gebäuden

Eine weitere Ursache für den Einwohnerrückgang im ländlichen Raum sei die natürliche Bevölkerungsentwicklung in Deutschland: Jede neue Elterngeneration sei um etwa ein Drittel kleiner als die vorhergehende. Da außerdem die Zahl der Geburten abnehme, sprach Klinkhart von einer »Spirale, die sich verstärkt«. In der Konsequenz stünden in vielen Dörfern zahlreiche Häuser leer. Für die betroffenen Kommunen sei ein solcher Leerstand doppelt negativ: Da die Flächen- infrastruktur weiterunterhalten werden müsse, verteuerten sich die Gemeindegebühren, was einen Standortnachteil für die Kommune bedeute. Gleichzeitig beeinträchtige eine Häufung leer stehender Gebäude das Ortsbild und führe zu einer negativen Bewusstseinsbildung bei den Einwohnern, die ihren Wohnort mit einem »Verliererbild« assoziierten.

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Ingeborg Dahlmann
Dass leer stehende Häuser oder auch große Gebäude, die nur noch von einer, meist älteren Person, bewohnt werden, auch eine neue Nutzung erfahren können, zeigte der Vortrag von Ingeborg Dahlmann. Die stellvertretende Vorsitzende des bundesweit agierenden Vereins »Forum gemeinschaftliches Wohnen«, berichtete, dass es bundesweit mittlerweile rund 10 000 gemeinschaftliche Wohnprojekte gebe, in denen ältere und alte Menschen miteinander lebten. Es sei wichtig, sich frühzeitig Gedanken über das Alter zu machen, sagte Dahlmann - nicht erst dann, wenn die Berufstätigkeit beendet sei.

Da Kinder oftmals weit entfernt lebten und Appartements in einer Einrichtung für betreutes Wohnen »ein nettes Portemonnaie« voraussetzten, könne sich gemeinsames Wohnen im Alter als eine Alternative anbieten. In solchen Wohngemeinschaften könnten sich die Senioren ein selbstbestimmtes Leben bewahren, seien aber trotzdem nicht allein.



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Artikel vom 09.06.2011 - 08.36 Uhr
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