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26.02.2008 - 21.32 Uhr
Kindesmissbrauch in nicht gekanntem Ausmaß
Rabenau/Gießen (ba). Kindesmissbrauch in bislang nicht gekanntem Ausmaß hat das Kommissariat für Sexualstraftaten beim Polizeipräsidium Mittelhessen (K12) in den vergangenen Wochen aufgedeckt. Der mutmaßliche Täter aus der Rabenau sitzt bereits seit Ende November 2007 in Untersuchungshaft.
Die bisherigen Ermittlungen förderten über 120 teilweise schwerste Übergriffe an 28 Jungen und Mädchen in einem Zeitraum von 20 Jahren zutage. Auch erfahrene Ermittler und Staatsanwälte konnten sich gestern an keinen vergleichbaren Fall erinnern, und die Arbeit der Kriminalpolizei ist keineswegs abgeschlossen. An Anklageerhebung ist bislang noch nicht zu denken.
Die Kripo war durch einen Zeugenhinweis auf den offenbar pädophilen 47-jährigen Londorfer aufmerksam geworden. Eine Mutter hatte erfahren, der Mann ziehe Kinder aus, um sie zu fotografieren. Sie wandte sich an die Behörden. Schon die ersten Ermittlungen reichten aus, um gegen den Mann einen Haftbefehl zu beantragen, den die Ermittlungsrichterin am 20. November 2007 erließ.
Das Material, das in der Folgezeit in der Wohnung des Mannes sowie in dessen Wohnwagen und Wohnmobil sichergestellt wurde, überstieg die Vorstellungskraft der Kriminalbeamten und Staatsanwälte. Der Mann hatte seine Taten offenbar 20 Jahre lang fotografiert und gefilmt. Es fanden sich herkömmliche Filmaufnahmen, aber auch solche in digitaler Form.
Bislang, so die Pressesprecher von Ermittlungs- und Anklagebehörde sowie Polizei, Oberstaatsanwalt Reinhard Hübner und Werner Tuchbreiter, gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass der berufslose Mann mit anderen Täter in Kontakt stand, sein Material tauschte oder ins Internet gestellt hat.
Dem Londorfer, im Ort bestens bekannt, war es offenbar immer wieder gelungen, das Vertrauen von Eltern und Kindern zu gewinnen. Jahrzehntelang schöpfte niemand Verdacht. Die Opfer waren im Alter zwischen drei und 14 Jahren. Setzte bei den Kinder die Pubertät ein, erlosch das Interesse des 47-Jährigen offenbar schlagartig. Einige der Opfer sind mittlerweile erwachsen. Wohl aus Scham hatten sie sich bislang nicht bei den Behörden gemeldet.
Der Fall, so Tuchbreiter und Hübner übereinstimmend, zeige auf erschreckende Weise, dass die größte Gefahr des Missbrauchs für Kinder immer wieder in deren engstem Umfeld lauert. Bedenkenlos waren die Kinder zu dem Mann nach Hause gegangen oder hatten ihn ins Schwimmbad begleitet, wo sich ebenfalls einige Taten ereignet haben sollen.
Wann es zur Anklage und zum Prozess kommte, vermochte Hübner nicht zu sagen. »Es liegt noch viel Arbeit vor uns.«