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Historische Zugfahrkarten lagen gut verstaut in einer Kiste

Artikel vom 19.07.2012 - 02.39 Uhr

Historische Zugfahrkarten lagen gut verstaut in einer Kiste

Rabenau (vh). Jahrzehnte lagen sie im Verborgenen bei Hans Bingel, Seniorchef des Allendorfer Holzwerks: Zwei historische Fahrkarten der ehemaligen Lumdatalbahn. Gefunden irgendwo bei Renovierungsarbeiten und zuhause in einer Kiste verstaut.

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Zwei historische Fahrkarten: links für eine Fahrt von Gießen nach Treis am 16. Februar 1923, die rechte brachte einen Fahrgast am 3. September 1946 von Treis nach Lollar.
Man weiß ja nie, wofür so etwas noch gut sein kann. Dann eröffnete die Ausstellung »110 Jahre Lumdatalbahn – Strecke Lollar/Londorf« im Londorfer Museum der Rabenau – und Bingel fielen die Erinnerungsstücke wieder ein. Noch sehr gut erhalten übergab er die Original-Fahrkarten der Eisenbahn-Sammlung von Wolfgang Richter in Beuern zum dortigen Verbleib.

Ausstellung bis 9. September



Richter wiederum stellte die Fahrkarten der aktuellen Ausstellung zur Verfügung. Beide waren auf dem jetzt präsentierten Streckenabschnitt der Lumdatalbahn gültig. Vom 16. Februar 1923 datiert die Einzelfahrkarte zu 0,30 Mark von Gießen nach Treis für die IV. Klasse. Abgestempelt am 3. September 1946 ist die Rückfahrkarte (Doppelkarte) von Treis nach Lollar für die 3. Klasse zu 0,70 Reichsmark.

Anlässlich einer Filmvorführung zur Ausstellung, die kürzlich im Londorfer Bürgersaal 160 Zuschauer begeisterte (die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete), kam Wolfgang Richter auch mit Zeitzeugen ins Gespräch. Und wiederum war es Bingel, der ein Erlebnis der besonderen Art beisteuerte. Zu Zeiten als die Lumdatalbahn noch zwischen Grünberg und Lollar fuhr, wurde die Reichsautobahn 5 gebaut, der Abschnitt Lumda-Reinhardshain in den Jahren 1936 bis 1938. Derweil war in Lumda die Bahnstation zum Baubahnhof umfunktioniert worden. Am Eröffnungstag des neuen Abschnitts im Dezember 1938 hatte sich der »Führer« Adolf Hitler persönlich in Lumda angekündigt.

Hoch gesteckt war die Erwartung der zweiten Klasse der Allendorfer Grundschule am Eulenturm, die zur Einweihungszeremonie mit einem gründlich einstudierten Liedchen sich insgeheim »Führer«-Lorbeeren erhoffte. Bingel und die Übrigen saßen im Dampfzug von Allendorf nach Lumda. Der »Führer« gab hier tatsächlich sein Stelldichein und die Grundschüler ihr Ständchen. Aber von wegen Ehre. Für den großen Herrn waren die Allendorfer vermutlich nur kleine Lichter.

Bingel erinnert sich Jahrzehnte später noch haargenau. Die absolute Nicht-Würdigung der Sangeskunst hoch motivierter Grundschüler führte zum emotionalen Tiefpunkt bei diesen. Wie begossene Pudel fuhren tief enttäuschte Kinder wieder zurück nach Allendorf. Bingel konnte das Erlebnis nie vergessen.

Wegen der großen Nachfrage wird die Filmvorführung im Londorfer Bürgersaal wahrscheinlich wiederholt, der Termin ist aber noch nicht festgelegt. Die Ausstellung im Museum der Rabenau ist noch geöffnet am 22. Juli sowie 5. und 19. August, jeweils von 15 bis 17 Uhr, ferner zum Michaelismarkt am 8. September von 13 bis 17 Uhr und am 9. September von 12 bis 17 Uhr.

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Artikel vom 19.07.2012 - 02.39 Uhr
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Leserkommentare
(11.08.2012 12:31)
Peter Hartung
Kartenschrank und Schaffnerzan
Warum sich in Ihrem Bericht mit dem "Föhrer" beschäftigt wird, bleibt wohl Ihr Geheimnis.
Interessanter hätte ich es gefunden, wenn man sich mit der guten alten Karton-Fahrkarte beschäftigt hätte. Ältere Bahnreisende können sich gewiss noch erinnern an den Fahrkartenschrank hinter dem Bahnhofsschalter, in dem die Karten-Rohlinge deponiert waren. Bei Kauf kamen sie in eine Prägemaschine das Tagesdatum eingeprägt. Und im Zug erhielt die Fahrkarte dann vom kontrollierenden Schaffner noch einen Zangenabdruck, der Zugnummer, Datum, Einsatzstelle und Zangennummer enthielt. Thomas Edmondson hieß der britische Stationsvorsteher, der das Karton-Fahrkartensystem im Jahre 1836 für die Newcastle & Carlisle Railway Company erfand.
(11.08.2012 12:17)
Peter Hartung
Wenn das der "Föhrer" wüsste
Ihr "Bericht" ist ein klarer Fall für einen Beitrag in den NNN der Satiresendung "extra3" des Norddeutschen Rundfunks. Etwa mit einer solchen Einleitung: "Der "Föhrer" fragt die dämlichen Mehlmützen von der GA: "Wer hat euch eigentlich das Hirn frittiert, ihr erbärmlichen Wurstwasserliebhaber, Hufeisenlutscher, Enddarmakrobaten...?" ...
(11.08.2012 08:59)
Orfanik
Hitler war nicht in Lumda
...leider kann die Geschichte nicht ganz stimmen, denn Hitler war nie in Lumda, jedenfalls nicht im Dezember 38. (Vgl. Harald Sandner, "Wo war Hitler", Coburg 1997)
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