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Geschichten aus einer Zeit, als es noch »der Radio« hieß

Artikel vom 06.07.2010 - 08.00 Uhr

Geschichten aus einer Zeit, als es noch »der Radio« hieß

Rabenau/Staufenberg (mb). Besser wären fünf Grad Celsius weniger gewesen. Doch der Schriftsteller Peter Kurzeck, Jahrgang 1943, jammert und klagt nicht, sondern sagt, dass er Hitze gut vertragen kann. Der Gast - mit Begleitung - habe Londorf »etwas vermessen«, sagt Galerist Erich Klein, als Kurzeck eingetroffen ist, denn die Freigasse 27 war für Ortsfremde nicht leicht zu finden.
»Kunst im Garten«: Im »Freigässer Winkel« in Londorf, im Garten von Erich Klein, fand am Wochenende wieder eine Ausstellung heim
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»Kunst im Garten«: Im »Freigässer Winkel« in Londorf, im Garten von Erich Klein, fand am Wochenende wieder eine Ausstellung heimischer Hobbykünstler statt. Höhepunkt war in diesem Jahr eine Lesung des Schriftstellers Peter Kurzeck, hier im Gespräch mit Prof. Adolf Hampel.
© mb
»Ich freu’ mich riesig«, begrüßt Klein den in Tachau (Böhmen) geborenen und nach der Vertreibung in Staufenberg aufgewachsenen Autor und rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörer in der sommerheißen Idylle des »Freigässer Winkel«. Dort steht das erste Juli-Wochenende im Zeichen einer ganz besonderen Ausstellung: »Kunst im Garten«. Klein, Dagmar Bettge, Eva Kurzeck, Otto Lührsen, Didier Pignard und Jürgen Wissner zeigen Acrylbilder, Aquarelle, Kreidebilder, Installationen und Skulpturen an Hauswänden und grünen Hecken, aufgestellt oder frei an Bäumen hängend.

Tausende Blumen blühen um die Wette. Neu angelegt sind eine Dachbegrünung und ein Wüstengarten. »So hab’ ich’s mir nicht vorgestellt«, zeigt sich Kurzeck beeindruckt. Die »Band im Schatten«, das »Kalle-Pfeil-Trio«, spielt zum Auftakt die 75 Jahre alte Arie »Summertime - and the livin’ is easy« aus der Oper »Porgy and Bess« von George Gershwin (1898 bis 1937).

Peter Kurzeck, Träger bedeutender Literaturpreise und hochgerühmt für sein Hörbuch »Ein Sommer, der bleibt« (2007), liest Kapitel des Buches, an dem er seit 2004 gearbeitet hat. Das Manuskript ist fertiggestellt; der Titel wird »Vorabend« lauten; die Schilderungen reichen bis in die 1980-er Jahre und beschränken sich nicht auf Staufenberg, sondern weiten sich auf Oberhessen aus. Mit dem neuen Buch knüpft er an »Kein Frühling« (1987/2007) an, das 1946 einsetzt und die Nachkriegsgeschichte zum Thema hat.

Der »Vorabend«-Erzähler ist Kurzeck, der in Frankfurt/Main einem Gesprächspartner beschreibt, was der Junge und Jugendliche in Staufenberg und Umgebung sieht und spürt, was in Staufenberg und Umgebung zu sehen und zu spüren ist. Bei der Lesung verzichtet er auf ein Mikrofon. Seine Stimme kommt ohne Verstärkung aus. Das Auditorium ist nicht nur aufmerksam, sondern hochkonzentriert und reagiert manches Mal mit Lachen, Nicken, Schmunzeln, weil eigene Erinnerungen wach werden.

Peter Kurzeck entführt in dem Kapitel, aus dem er liest, nach Alt-Staufenberg, ins Oberdorf mit der Burggasse, der Hintergasse, der Mittelgasse, wo der Junge auf einem Mäuerchen sitzt, jedes Detail beobachtet und abspeichert und seinen Gedanken nachhängt. Er nimmt sich der Witwenhäuser an, die klein, gedrückt und ein wenig schief, sich aneinander lehnend, an der Burg- und an der Stadtmauer stehen und von Frauen bewohnt werden, die noch Tracht tragen. Sie haben eine Werktags- und eine Sonntagstracht und »etwas Putz«. Manche Frau hat ihren Mann schon im Ersten Weltkrieg verloren. Weil die Häuschen eng und winzig sind, ist es schier unvorstellbar, dass eine ganze Familie darin gewohnt haben soll.

Für ein Kaninchen- oder ein Katzenfell zahlt der Händler aus Stangenrod 40 bis 70 Pfennig



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