Zu Höhepunkten der Holzheimer Feier gehört »Stehender Festzug«
Pohlheim (hjp). Mit mehreren groß angelegten Festen wird der Pohlheimer Stadtteil Holzheim in diesem Jahr seine 1200-Jahr-Feier nachholen. Unter dem Motto Holzheim 790 bis 2010 = 12XX findet am 19. Juni in der Kulturellen Mitte ein Kulturhistorischer Abend statt, gefolgt von einem »Stehenden Festzug« am 27. Juni und als krönender Abschluss vom 6. bis 8. August die traditionelle Zeltkirmes. »Eigentlich hätten wir ja schon vor 20 Jahren feiern müssen, doch damals ist uns die Auseinandersetzung um die in Holzheim geplante Mülldeponie dazwischen gekommen,« erläuterte der ehemalige Aktive im Kampf gegen die Mülldeponie, Klaus Sommer.
Vor 20 Jahren: Kinder und Erwachsene leisteten Widerstand gegen die geplante Deponie in Holzheim. Auch Bürgermeister Hermann Georg unterstützte den Protest. Das Foto wurde der AZ am Mittwoch in der Pressekonferenz zur Verfügung gestellt.
Am Mittwochabend wurde das Festprogramm vorgestellt. Wie nahezu alle Bürger Holzheims hatte Sommer von 1987 an gegen den Bau einer riesigen Müllhalde protestiert. Jahrelange Auseinandersetzungen mit dem Landkreis und dem Regierungspräsidium hatten die Holzheimer mobilisiert, um gegen die Deponie zu kämpfen. Gerade wenige Monate vor dem eigentlichen Jubiläumsjahr hätten sich die Auseinandersetzungen zugespitzt, war Polizei aufgezogen, um die vorbereitenden Arbeiten auf dem Gelände der geplanten Deponie zu sichern, so Sommer.
Zwar war für die anstehende Feier schon fast alles organisiert, aber: »Damals hatten wir keinen Anlass, dass 1200-jährige Bestehen unseres Ortes zu feiern,« blickte Sommer zurück auf die bewegte Zeit Ende der 1980er Jahre. Zu dem Zeitpunkt entstand auch der »Bürgerverein Mensch, Umwelt + Natur«, der die Proteste der Holzheimer bündelte und seinerseits zum Beispiel mit Landankäufen die Deponie verhindern wollte.
»Der Kampf gegen die Deponie hat uns Holzheimer zusammengeschweißt, das kann man heute noch merken,« so Sommers Mitstreiterin Doris Zeiss. Und von dem damals angesparten Vermögen des Bürgervereins profitieren noch heute die alle anderen Vereine. Jährlich stellt der Bürgerverein aus seinem Vermögen Beträge zur Unterstützung der Ortsvereine zur Verfügung - solange bis das Geld verbraucht ist. Erst 2003, nach langem Ringen, konnte ein Schlussstrich unter die Akte Mülldeponie Holzheim gezogen werden, als über 11 000 Einwendungen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens beim Regierungspräsidenten eingingen. Damit war auch der Weg frei für die Nachfeier in diesem Jahr. Das XX hinter der zwölf haben die Organisatoren übrigens bewusst gewählt: Einmal um Aufmerksamkeit zu erregen, auch, um an die römische Zeit entlang des Limes zu erinnern. Aber auch daran, dass es 20 Jahre her ist, dass Holzheim hätte feiern müssen (XX als römische Ziffern geschrieben bedeutet 20 in arabischen Zahlen). Und diese Nachfeier soll dann auch alle bisherigen Holzheimer Feste in den Schatten stellen.
Angefangen mit dem Kulturhistorischen Abend in der Kulturellen Mitte mit einem Vortrag von Studienrat a.D. und Heimatforscher Gerold Buß, der einen Abriss über die mehr als 1 200-jährige Geschichte des Ortes geben wird, bis hin zu Schulleiter Norbert Kissel, der Beweise für eine viel frühere Besiedlung des heutigen Holzheim bringen wird. Als Höhepunkt des Festjahres ist für den 27. Juni ein stehender Festzug geplant, der rund um die Kulturelle Mitte, auf dem »Messerschmidt-Platz« sowie in den Straßen Beune, Hauptstraße, Gombertsgasse, Noll, Erbsengasse und den Schalgärten sowie vor der Evangelischen Kirche zahlreiche Attraktionen bieten wird.
Sie stelltendas Programm für die Feierlichkeiten 12XX vor: Ditmar Kartak, Gerhard Schneider, Doris Zeiss, Michael Lemcke, Carsten Nowak und Klaus Sommer (von links). (Foto: hjp)
»Es haben sich um Beispiel angesagt Marktschreier, Zinngießer, Besenbinder, Holzschnitzer aber auch eine Ausstellung historischer Fahrräder und Landmaschinen sowie eine Kräuterwerkstadt und noch vieles mehr. In fast jedem Hof an den genannten Straßenzügen wird etwas anderes geboten,« sagte der Koordinator des stehenden Festzuges, Gerhard Schneider. Dabei kommen natürlich auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz.
Die Kirmes vom 6. bis 8. August wird die Feierlichkeiten abschließen. Hier habe man bereits für den Freitag die Cover-Band Dr. Rock verpflichtet, am Samstag wird die bekannte Kölner Mundartgruppe »De Räuber« auftreten. Daneben bemühe man sich derzeit, so Ortsvorsteher Michael Lemcke, aus Pohlheims Partnerstadt Admont eine weitere Kapelle zu engagieren. Ein traditioneller Frühschoppen am Festsonntag wird dann den Abschluss der Feierlichkeiten im Festjahr bilden.
In unserer Sonderbeilage zum 40-jährigen Jubiläum der Stadt Pohlheim mit ihren Stadtteilen Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg.