Pohlheim (jj). Immer zum 20. Juli begeht die syrisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Hausen die Feierlichkeiten zu Ehren des heiligen Mor Had Bschabo, der aus dem Gebirge Tur Abdin (heutige Türkei) stammt.
Speisen aus der Heimat, des Tur Abdin, wurden angeboten. (Foto: jj)
Nach dem Heiligen wurde auch die Gemeinde in Hausen benannt, wobei die Gemeinden in Garbenteich und Watzenborn-Steinberg zwar auch zur syrisch-orthodoxen Kirche zählen, jedoch eigene Heilige haben.
Der Asket und Mönch bot den ersten (aramäischen) Christen im Norden Mesopotamiens allzeit Schutz in seinem Kloster. Der wie eine Festung erscheinende Bau bot über 100 Familien Schutz vor Geißelung und dem sicheren Tod. Mor Had Bschabo starb den Märtyrertod und wird seitdem als Heiliger verehrt. Viele Familien aus Hausen stammen von den Menschen ab, die damals Zuflucht, Schutz und Geborgenheit im Tur Abdin fanden.
Zum Gedenktag in der heutigen Zeit nimmt die ganze Familie ihre Schlafdecken mit in die Versammlungsstätte, zündet abends Kerzen an und hält inne. Man wacht die ganze Nacht hindurch und gedenkt der Geistlichen. Am Dienstag vergangener Woche hielt Gemeindepfarrer Semun (Simon) Korkmaz bereits an dem eigentlichen Jahrestag einen feierlichen Gottesdienst in der Kirchengemeinde Hausen ab. Und am Samstag, kurz vor dem offiziellen Beginn des Gemeindefestes, fanden um 17 Uhr eine weitere Andacht und Gebet statt.
Anschließend wurden die Feierlichkeiten zum Gemeindefest übergeleitet: Rund 280 Gemeindemitglieder, Freunde und interessierte Bürger aus Hausen und Umgebung besuchten das Gemeindehaus in der Breslauer Straße. Bürgermeister Karl-Heinz Schäfer übermittelte per Post einige Zeilen an den Gemeindevorsteher, und Vertreter aus Politik, Vereinen sowie Kirche erfreuten sich inmitten der Gemeinde bei allerlei Erfrischungen und Gegrilltem.
Seelsorger Korkmaz gab unter anderem Auskunft über den Neubau der Kirche. Bereits in dieser Woche wird der erste Spatenstich zum Baubeginn erwartet; die Bauzeit wird mit einem Jahr veranschlagt. An die ehemalige Kirche erinnern nur noch einige Bruchsteine, die die aramäischen Christen als Erinnerung mit nach Hause nehmen dürfen.
Die Gemeindemitglieder sind sehr dankbar, dass sie in Pohlheim so gut aufgenommen worden sind und Stadt, Politiker, Vereine und Kirchen sie in Deutschland so herzlich integriert und ihnen ein neues Zuhause gegeben haben. Hier dürfen sie ungehindert ihren Glauben leben; Verfolgung oder gar lebensbedrohliche Situationen gehören der Vergangenheit an.
Nicht so im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei: Dort sind Unterdrückung und Verfolgungen noch präsent.
In unserer Sonderbeilage zum 40-jährigen Jubiläum der Stadt Pohlheim mit ihren Stadtteilen Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg.