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Konzertabend mit Wecker endete deutlich nach 23 Uhr

Artikel vom 14.12.2009 - 09.34 Uhr

Konzertabend mit Wecker endete deutlich nach 23 Uhr

Pohlheim - »Glück ist flüchtig, kaum zu fassen. Es tut gut, sich sein zu lassen.« Ganz leise endete das letzte Stück eines über dreistündigen Konzertabends, in dem - nach dem Rezitieren von Fernando Pessoas zarter Beschreibung einer Alltagsszene in der Rua Nova do Almada zu Lissabon - ganz behutsam die erbauliche Schönheit des Schlenderns besungen wird.
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Die beiden Musiker wissen, wie zutreffend die genannte Feststellung ist, verharren nach dem Ausklingen ihrer Instrumente gesenkten Kopfes - und ein hoch sensibles Publikum nimmt die Stimmung auf, lässt zwei, drei Sekunden der Stille verstreichen, eh es zum Schlussbeifall ansetzt für den Münchener Musiker und Poeten Konstantin Wecker und dessen »pianistisches alter ego« Jo Barnikel.

Es war nicht das einzige Mal an diesem Abend in der Sport- und Kulturhalle Garbenteich, dass zu Tränen rührende Lieder bei den Protagonisten eine geradezu seelenwärmende Verletzlichkeit erkennen ließen, die das breite Publikum zumindest bei diesem gewichtigen Hünen nicht unbedingt auf den ersten Blick erwartet. Etwa bei und nach »Für meinen Vater«, eine gesprochene Ode an das große Vorbild, den Opernsänger und Maler und Kriegsdienstverweigerer und Antifaschisten Alexander Wecker, die behutsam unterlegt ist mit Puccinis »Nessun Dorma«-Melodie. Am fließenden Übergang vom Musettewalzer »Zigeuner sind gekommen« zum Wecker-Klassiker »Sag’ nein!« Oder bei dem hymnenartig vertonten Gedicht »Was keiner wagt, das sollt ihr wagen« des Frankfurter Priesters Lothar Zenetti.

Aber was erwartet das Publikum überhaupt von Wecker?

In Pohlheim viel. Binnen weniger Tage war im September das Gros der 650 Karten vergriffen für diese von Jutta Grein und Susann Balser-Hahn als »Kultur in Mittelhessen«-GbR zusammen mit gut 25 Helferinnen und Helfern auf die Beine gestellten Veranstaltung. Als Wecker und Barnikel nach gut zweieinhalb Stunden musikalisch noch einmal das Titellied »Leben im Leben« anstimmten, waren die Pohlheimer und deren Gäste längst eingeschworen: »Genug ist nicht genug« - das sollte auch für sie gelten.

Bemerkenswert, denn Tage zuvor beim Konzert in der Alten Oper zu Frankfurt hatten die Musiker nicht alle Zugabe-Register ziehen müssen. »Habt’s noch a bisserl Zeit? Oder geht eure U-Bahn?«, scherzte der Barde, nachdem er vom nicht enden wollenden Applaus zum ersten Male zurück auf die Bühne geholt worden war, damit er diese unterhaltsam-anregende Tour durch vier bewegende Kreativ-Jahrzehnte fortsetzen möge.

Anfangs hatte er ein paar Blüten aus den frühen Jahren auf seiner Liedertafel, besang die Zeiten, in denen er als in München getürmter Straßensänger in Rom den ersten Ruhm suchte, als ihm »die Maderln« vorkamen, als schauten sie prall wie Äpfel aus oder erwärmend wie der Sommer. In seinem alten Kaiser, einem ehedem auf Haile Selassie gemünzten Lied, sieht er nun sich selbst: Abschied des alten Mannes - von der Macht.



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Artikel vom 14.12.2009 - 09.34 Uhr
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