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Konstantin Wecker hielt »musikalische Andacht«

Artikel vom 11.02.2011 - 08.30 Uhr

Konstantin Wecker hielt »musikalische Andacht«

Pohlheim - Zum zweiten Male nach Dezember 2009 gastierte der Münchner Sänger, Musiker und Poet Konstantin Wecker am Mittwoch in der ausverkauften Sport- und Kulturhalle Garbenteich. Am zweiten Bösendorfer-Flügel agierte der nicht minder virtuose Pianist Jo Barnikel.

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Am Ende eines bezaubernden Liebeslieder-und-Lyrik-Abends: Ein winkender Konstantin Wecker mit Jo Barnikel (3. von rechts) und dem Linzer »Spring String Quartett«. (Fotos: no)
Den Klangteppich für den Barden rollte dieses Mal das »Spring String Quartett« aus. Gastgeber waren Susann Balser-Hahn und deren Freundeskreis »Kultur in Mittelhessen«, die ausnahmslos positive Rückmeldungen zu hören bekamen von den zum Teil von weit her angereisten Besuchern.

Konstantin Wecker gab sein Programm »Stürmische Zeiten, mein Schatz!«, eine dreistündige Liebeserklärung im besten Wortsinn. Das reichte von der mit ein paar Zoten-Zitaten prominenter Literaten belegten (männliche) Wolllust bis hin zu ganz zarten Liedern voller Zuneigung und Verständnis.

Von einer kurzen Pause nach dem ersten Drittel abgesehen, streifte der in der Klassik geschulte Liedermacher - viel zu kurz greifend diese Bezeichnung - alle Phasen seines künstlerischen Schaffens. Oder richtiger: seines bald 64 Jahre währenden Lebens. Von den geliebten Eltern sprach und sang er, von der Oma und von seiner Heimatstadt München. Von seiner großen Passion - der von Mutter Dorothea geerbten Liebe zu Gedichten und die von Vater Alexander vermittelten Freude an Arien.

Herausragend hier, einmal mehr, das »Für meinen Vater« (1994): »Das, was ich heute andern geben kann, wäre nicht denkbar ohne Dich. Es ist Dein unbeachteter Gesang, der in mir klingt und nie mehr von mir wich. Und meistens sagt man erst zum Schluss, was man verdeckt in tausend Varianten schrieb: Wenn ich an meinen Vater denken muss, dann denk ich stets: Ach Gott, hab ich ihn lieb.« Unterlegt mit Puccinis »Nessun dorma«-Melodie, nahm das Lied gefangen. Sekunden vergingen hier nach dem Schlussakkord, bevor der Beifall einsetzte.

Ähnlich war's bei »Die weiße Rose«, das gerade mit den Streichern an Volumen und Tiefe gewinnt. »Ihr wäret hier so wichtig - Sophie und Hans ... Denn es geht ums Tun und nicht ums Siegen.«

Und überhaupt die Streicher, mit denen Wecker in den vergangenen Tagen nicht nur in Garbenteich war, sondern auch in Luzern, Freiburg und - gestern - in der Kölner Philharmonie, mit denen er die klassischen Spielstätten der Republik mit Klang erfüllte: Christian Wirth, der Kopf des Ensembles an der ersten Geige, Markus Wall, das Herz, an der zweiten, Cellist Stephan Punderlitschek, der Lyriker, und Julian Gillesberger an der Bratsche, laut Wecker »die Leber« des Quartetts - die vier Oberösterreicher waren das Sahnehäubchen des Abends. Einerseits klingen Naturinstrumente authentischer als synthetische, andererseits erfüllten sie den Raum mit noch mehr Leben, als dies auch die Genies an den beiden Flügeln allein vermögen. Schon gigantisch, wie »Genug ist nicht genug« zum gestrichenen »Smoke on the water« abdriftete. Und geradezu unbeschreiblich sensibel, wie Paul Simons »Under African Skies« eine Klammer bildetete zwischen »Vater« und »Weiße Rose«. Das glich einem ausgewachsenen Hochamt, mindestens war es eine Andacht.



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Artikel vom 11.02.2011 - 08.30 Uhr
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