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»Eine Seele kann man nicht röntgen«

Artikel vom 03.02.2009 - 20.08 Uhr

»Eine Seele kann man nicht röntgen«

Pohlheim (ang). Ein sensibles Thema stand kürzlich auf der Tagesordnung der Dorf-Güller Landfrauen.
Zu »Depressionen, ein Symptom unserer Zeit« sprach die Psychotherapeutin Sabine Seel. Das Thema war so interessant, dass die Vorsitzende Marina Reitz auch einige Männer im Mehrzweckgebäude begrüßen konnte.

Depression sei eine Krankheit der Seele. Die Seele könne man nicht röntgen. Man spreche ungern über seelische Beschwerden. Bei der Depression trete an die Stelle von Lebensfreude eine trübe Stimmung. Auch körperliche Symptome wie Schlafstörungen gingen oft mit einer Depression einher. Frauen werden doppelt so häufig depressiv. In jeder Gesellschaftsschicht komme die Krankheit vor.

Vier Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Depression, die meisten davon befinden sich im Alter von 30 bis 40 Jahren. Gründe für Depressionen liegen im Erleben einer äußeren Veränderung. Das kann ein Umzug genau so sein, wie ein Urlaub oder der Missbrauch bestimmter Medikamente. Im Wochenbett, in den Frühlings-, Herbst- und Wintermonaten stelle man eine erhöhte Häufigkeit fest. Wenn die seelische Veränderung länger als vierzehn Tage andauere, spreche man von der Depression. Psychische und körperliche Symptome gehören zum Krankheitsbild. Die innere Uhr depressiver Mensch gehe anders, so die Referentin. Unregelmäßige Schlaf- und Wachphasen führen zu schlechter Stimmung.

Grundsätzlich könne jeder Mensch erkranken. Depressive Veranlagungen können angeboren oder erworben sein. Erlebnisse, außergewöhnliche Belastungen und Beziehungskrisen fördern eine Depression. Meist merke der Betroffene im Alltag selber, dass das Leben »aus der Bahn« laufe. Häufig suche man in verstärktem Drogenkonsum eine Lösung. Gespräche mit Freunden, ein Urlaub oder neue Beziehungen nannte die Referentin als Möglichkeiten der Selbsthilfe.

Oft helfe nur eine professionelle Behandlung, denn die Verwandten würden vom Erkrankten oft nicht verstanden. Eine medikamentöse Therapie habe oft Sinn, um die Behandlung zu unterstützen. Das »Outen« sei selbst heute noch ein großes Problem. In der Gesellschaft gelte ein psychisch kranker Mensch als schwach. Suizidgefahr gehe oft mit der Erkrankung einher. Es helfe, den Betroffenen direkt darauf anzusprechen. Er reagiere oft erleichtert, wenn er über seine Selbstmordabsicht offen sprechen könne. Eine stationäre Aufnahme in eine Psychiatrie sei in einem solchen Fall unumgänglich. Selbstmordgedanken hege man stets in einer ausweglosen Situation. Der Patient könne nicht ausweichen, sondern wolle nur seine Ruhe haben. 9400 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland nach einem Selbstmordversuch. Die Zahl habe sich seit dem Jahr 1980 zwar halbiert, sei aber immer noch weit höher, als die Anzahl der Verkehrstoten.



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Artikel vom 03.02.2009 - 20.08 Uhr
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