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Von Gelnhaar in den Wilden Westen der USA

Artikel vom 02.12.2011 - 13.11 Uhr

Von Gelnhaar in den Wilden Westen der USA

Ortenberg-Gelnhaar (rad). An ihrem Schreibtisch ist Renate Zyszk mit den letzten Korrekturen beschäftigt. In Kürze kommt ihr neues Buch heraus, das den Titel »Schiffspassage ohne Rückfahrticket« trägt.

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Renate Zyszk arbeitet an ihrem Schreibtisch die letzten Korrekturen in den Text ein, der in Kürze erscheint und sich mit der Geschichte der Gelnhaarer Auswanderer nach Amerika beschäftigt. (Foto: rad)
Draußen steigen die Nebelschwaden, ideale Umstände, sich noch einmal konzentriert mit dem Manuskript zu beschäftigen. Akribisch hat Zyszk darin die Geschichte der Gelnhaarer Auswanderer nachgezeichnet, mit der sie sich in den vergangenen Jahren intensiv auseinandergesetzt hat.

»Seit Jahren sammle ich alles, was Gelnhaar betrifft: Fotos, Dokumente und alte Pläne«, berichtet Renate Zyszk. »Vor zwei Jahren stieß ich zufällig auf einen Mann aus den USA, der Informationen über ei ne Person aus Gelnhaar suchte, die 1883 nach Fort Smith im Bundesstaat Arkansas emigriert war«, erklärt die leidenschaftliche Lokalhistorikerin den Ausgangspunkt, sich mit diesem Ausschnitt der Geschichte zu beschäftigen. Der Amerikaner wusste von seinen Vorfahren, dass ein Mann namens Reutzel, der schon 1848 in Forth Smith lebte, für die beiden Stiefkinder der Familie die Schiffspassage von Bremen nach New York bezahlt hatte.

»Mir fiel ein, dass ich seit vielen Jahren einen Vertrag, den die gesuchte Person unterzeichnet hatte, in meinen Unterlagen aufbewahrte, und machte mich auf die Suche nach mehr Informationen«, erzählt Zyszk. »Das Ergebnis war nicht nur für mich, sondern auch für einige Nachkommen der ausgewanderten Familien sehr interessant. So beschloss ich, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen.«

1857 Bürgermeister von Forth Smith

Sie fand heraus, dass der erste Gelnhaarer bereits 1834 in Forth Smith siedelte, als in dieser Stadt, die heute rund 80 000 Einwohner hat, noch keine 1000 Menschen lebten. 1857, also in der Zeit des legendären Wilden Westens, war der gebürtige Gelnhaarer sogar Bürgermeister von Forth Smith. Obwohl in den USA keine Meldepflicht besteht, konnte der heutige Bürgermeister den Kontakt zu den Nachkommen von zwei Gelnhaarer Familien herstellen.

Denn Casper Reutzel, so hieß der Wohltäter, war der größte Baumwoll-Verschiffer am Arkansas River und hatte ein Warenhaus in der Garrison Avenue. Er war bekannt dafür, vielen Menschen zu helfen. Sein Haus, das er 1850 errichtete, ist eine für die Region seltene Fachwerkkonstruktion und steht heute unter Denkmalschutz. Sein Urenkel, der 99-jährige Charles, ist dem Bürgermeister gut bekannt. Auch die Nachfahren des Gelnhaarers Heinrich Mehmel konnten gefunden werden. Nachkommen von zwei weiteren Familien meldeten sich bei Renate Zsysk über die First Lutheran Church in Forth Smith, die die erste Evangelisch-Lutherische Kirche in Arkansas war. Zu ihren Gründern gehörten auch die Gelnhaarer, die auch an der Errichtung der Kirche beteiligt waren. Ihnen sind auch Mosaikfenster in der Kirche gewidmet.

140 Gelnhaarer ausgewandert



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