Der Trägerverein der Freien Schule »Die Kolibris« hat sich der sofortigen Schließung seiner Einrichtung gefügt.
Mit einem Schild im Fenster versuchen die Schüler, sich trotzig gegen die Schließung der Schule zu wehren. (Foto: sax)
Ortenberg-Selters
(sax). Nachdem das Schulamt die Genehmigung aufgehoben hatte und die Freie Schule Wetterau mit ihrem Einspruch gegen die Verfügung der sofortigen Schließung vor dem Verwaltungsgericht gescheitert war, hatte der Trägerverein zuerst erwogen, in der nächsten Instanz gegen den Beschluss zu klagen.
Dabei hatte die Vorsitzende des Vereins, Sabine Grohmann, noch vor einem Monat bei einer Informationsveranstaltung erklärt, »wir haben sehr gute Karten im Hauptverfahren«. Obwohl der Verein auf seiner Internetseite bis vor wenigen Tagen immer noch Lehrkräfte suchte, hat sie sich inzwischen jedoch offenbar den Realitäten gestellt und resigniert. »Das gerichtliche Verfahren wird nicht weiterbetrieben.« Zuletzt besuchten nur noch neun Kinder die Freie Schule. Für einen wirtschaftlichen Betrieb zu wenig. Die Vize-Vorsitzende Irina Stenzel hatte bei der Infoveranstaltung erklärt, noch zehn Kinder würden benötigt. Tatsächlich waren aber nur zwei Eltern zu der Veranstaltung gekommen.
Deshalb hat der Verein nun Insolvenz angemeldet. »Es ist alles kaputt«, klagt Grohmann. Alle seien »schrecklich sauer«. »Das sind böse Leute hier im Ort, das ist die Presse«, sieht siedie Schuld für das Ende der Schule ausschließlich bei anderen. Dass bereits 2009 nach Aussagen eines Mitglieds 17 von damals 24 Kindern die Schule verließen, ließ Grohmann ebenso wenig zweifeln wie die heftige Kritik der Eltern, die die Schule einst mitgegründet hatten. Zwar konnten offenbar neue Kinder für die Schule gewonnen werden, doch auch von diesen wurden im Folgejahr einige bereits wieder abgemeldet. 2010 hätten von damals 18 Kindern 12 die Schule verlassen. »Das Alte geht, das Neue kommt«, sei der Kommentar der Vorsitzenden zu dieser Entwicklung gewesen.
Bereits seit Dezember seien die Darlehen, für die die Eltern gebürgt hätten, nicht mehr bedient worden. Auch die Stadt Ortenberg, die dem Verein ein ehemaliges Vereinsheim mit Sportplatz als Schulgelände überlassen hatte, sieht das Experiment als gescheitert an. »Wir wollen vor Ostern noch sehen, dass das Gelände geräumt ist«, erwartet Bürgermeisterin Ulrike Pfeiffer-Pantring. Zwar habe Grohmann erklärt, der Verein habe verschiedene Ideen, wie er weiter arbeiten könne. Aber »wir haben sehr viele aktive Projekte in der Region«. Auch diese suchten nach Möglichkeiten, ihre Ideen umzusetzen, erläutert Pfeiffer-Pantring. »Das wäre ein passendes Gelände, um Projekte im Rahmen der Regionalentwicklung voranzubringen«, gibt sie naturnaheren Initiativen den Vorzug.
Das Schulamt überprüft nun, dass alle Kinder, die bisher in die Freie Schule gingen, bald wieder an zugelassenen Schulen unterrichtet werden. Dafür hat André Linhardt, Justiziar des Schulamts, versucht, Kontakt mit den betroffenen Familien aufzunehmen. »Wir müssen Überzeugungsarbeit bei den Eltern leisten.« Die Zeit, die er ihnen gegeben hat, um neue Schulen für ihre Kinder zu finden, geht allmählich zu Ende. »Man kann binnen drei Wochen eine neue Schule finden«, erklärt er. Von etwa der Hälfte der Eltern habe er eine Rückmeldung bekommen. »Wenn sich da nichts ergibt, wird die nächste Maßnahme ein Ordnungswidrigkeitsverfahren sein«, betont Linhardt, dass das Schulamt die Schulpflicht durchsetzen werde.