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Keine Schweinegrippe - nur 31 Grad im Schatten

Artikel vom 11.08.2009 - 11.00 Uhr

Keine Schweinegrippe - nur 31 Grad im Schatten

Ortenberg (am). Wenn Hysterie und Jux - und das auch noch bei 31 Grad im Schatten - ungebremst aufeinandertreffen und sich unheilvoll vermengen, kann nichts Gutes herauskommen. So endete für zwei Jugendliche aus der Region die Sommerfrische im Ortenberger Freibad jüngst ziemlich deprimierend, ja, es flossen sogar einige Tränen.
Vor einer Woche aus Lloret de Mar beziehungsweise aus Mallorca zurückgekehrt, brachte die 16-jährige T. einen Schnupfen mit. Ihr Kommentar: »Wenn man eben eine Woche Party macht...« Ein vorsorglicher Besuch bei ihrem Hausarzt ergab: kein Verdacht auf Schweinegrippe. Ihre 15-jährige Freundin M. fühlte sich nicht nur kerngesund nach der Sommerjuchhe im prallen Sonnenland, sondern ist es auch.

Mundschutz aus dem Supermarkt besorgt

Sich nun auf der Ortenberger Freibadwiese räkelnd, brachten Schulkameradinnen (ob es Schulfreundinnen sind, ist wieder eine andere Frage), das Gerücht in Umlauf - ob aus gelindem Verdacht, Überzeugung oder hämischem Jux lässt sich wohl nie mehr ermitteln - die Heimkehrerinnen hätten die Schweinegrippe. Ja, sie trieben das Spiel sogar soweit, dass sie sich im nahe gelegenen Supermarkt jeweils einen Mundschutz kauften und sich derart »geschützt« im Freibad platzieren. Was natürlich weitere Unruhe und Fragen hervorriefen; ja, so die Beobachtung von M. und T., einige Mütter hätten gar mit ihren Kleinkindern das Bad verlassen.

Mit Vor- und Nachnamen ausgerufen

Das Gerücht drang schließlich an das Ohr des Bademeisters. Der rief die beiden angeblich kranken Mädels mit Vor- und Nachnamen zum Rapport über die Lautsprecheranlage aus. Beim zweiten, noch drängenderen Ausruf, so die beiden, waren sie überzeugt: »Kein Scherz, der meint das wirklich ernst.« Von Freundinnen begleitet, marschierten sie Richtung Bademeister. »Durch eine Handbewegung gab er uns allerdings zu verstehen, wir sollten Abstand halten«, schildert M. »Und dann machte er noch eine Handbewegung, also wolle er Bakterien verscheuchen, die von uns ausgingen«, empört sich T.

Mehrfach, so erzählen die jungen Badegäste, habe der Bademeister ziemlich laut und energisch gefragt, ob die beiden die nun die Schweinegrippe hätten oder nicht. »Wir haben uns richtig bloß gestellt gefühlt, es war so was von peinlich«, sagt M. »Alle möglichen Leute haben das mitbekommen und uns komisch angeguckt. Warum hat der Bademeister uns denn nicht beiseite genommen und uns befragt? Das hätte doch keiner hören müssen.«

Der Bademeister wiederum will sich nicht daran erinnern, das böse S-Wort überhaupt genannt zu haben. Vielleicht, möglicherweise, nur einmal, räumt er ein. Ziemlich genervt eilte der pflichtbewusste (»immerhin trage ich die Verantwortung«) und möglicherweise auch in dieser Situation überforderte Mann dann zwischen den Beschuldigern und den Beschuldigten hin und her. Das Angebot von M. und T., auf der Stelle ihre Eltern anzurufen, um sich von ihrer Gesundheit zu überzeugen, nahm die Badeaufsicht indessen nicht an. Stattdessen drohte sie damit, die Polizei zu rufen. Warum? Ja, warum? Um die einen wegen groben Unfugs zu verhaften oder um die anderen direkt in die Quarantäne zu verhaften?

Am Ende dämmert’s dem Bademeister

Die Polizei musste dann doch nicht anrücken. Dem Bademeister dämmerte, dass hier einige wohl wirklich einen bösen Witz losgelassen oder zumindest grob fahrlässig gehandelt hatten. Für M. und T. war der Badetag gelaufen. Sie werden aber weiterhin das schöne Schwimmbad besuchen. Denn Schweinegrippe war nun wirklich nicht. Nur 31 Grad im Schatten.

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Artikel vom 11.08.2009 - 11.00 Uhr
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