Ortenberg-Selters (sax). »Wir sind traumatisiert«, sagt die Leiterin der »Freien Schule Wetterau - Die Kolibris«, Sabine Grohmann. Erst über die Presse habe man von der Entscheidung des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs, die die Schließung der Schule durch das Schulamt bestätigte, erfahren.
Beim Tag der offenen Tür am vergangenen Samstag waren die Vorsitzende des Trägervereins der Freien Schule, Sabine Grohmann (l.), und ihre Stellvertreterin Irina Stenzel noch zuversichtlich, dass die Schule nicht geschlossen wird. (Fotos: sax)
Noch ist an der Freien Schule nicht klar, welche konkreten Konsequenzen der Richterspruch hat. »Da haben wir uns noch nicht wirklich erkundigt«, räumt die Vize-Vorsitzende des Trägervereins, Irina Stenzel, ein. Die Vorwürfe des Schulamts, die die Schließungsverfügung zur Folge hatten, stehen allerdings bereits seit Sommer 2010 im Raum. Vor allem die Qualität des Unterrichts, mangelnde Lernerfolge und die Qualifikation der Lehrer wurden kritisiert.
Eine förmliche Schließung, etwa mit Versiegelung der Gebäude, gibt es nicht. Die Freie Schule habe die Zulassung als Ersatzschule verloren, erklärt André Linhardt, Justiziar am Schulamt. Ob und wie die angemieteten Räume weiter genutzt würden, sei dem Verein überlassen. »Die Kinder können dort nicht mehr die Schulpflicht erfüllen«, nennt er als wichtigste Folge.
Bei der Durchsetzung der Schulpflicht werde aber nicht sofort eine harte Linie gefahren, erklärt Linhardt. »Uns ist nicht daran gelegen, den Eltern Steine in den Weg zu legen oder Bußgelder aufzuerlegen.« Zunächst würden heute die Eltern und die Schulen, die von den betroffenen neun Kindern besucht werden müssten, informiert. Ob die Eltern der Aufforderung folgen, werde das Schulamt beobachten und in der kommenden Woche nachfragen.
»Das Wichtigste ist das Wohl der Kinder«, betont Linhardt. »Deshalb ist die Schule ja auch geschlossen worden.« Ein problemloserer Übergang sei durch das Ende des ersten Schulhalbjahres zum 31. Januar möglich. Das Schulamt sei gesprächsbereit, wenn Eltern ihr Kind in eine Privatschule schicken wollten und daher mehr Zeit benötigten.
Ein Vater, der gestern Morgen aus der Zeitung von der Gerichtsentscheidung erfahren hat, ist sicher, »dass für mein Kind, mich und meine Frau eine staatliche Regelschule nicht in Frage kommt, zumindest nicht im laufenden Schuljahr«. Sein Sohn werde deshalb zunächst weiter die Freie Schule besuchen. »Wir sind wie vor den Kopf geschlagen, dass man so etwas schließt.«