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»90 Kinder sind Tafelkunden - das sind zu viele«

Artikel vom 23.12.2010 - 16.37 Uhr

»90 Kinder sind Tafelkunden - das sind zu viele«

Ortenberg (pm). Die SPD-Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl besuchte kürzlich die Ausgabestelle der Büdinger Tafel in Ortenberg. »Die Räumlichkeiten sind zu einer wichtigen Anlaufstelle für viele bedürftige Menschen in und um Ortenberg geworden. Das zeigt die rasant angestiegene Zahl der Tafelkunden seit Eröffnung der Ausgabestelle im Mai«, schreibt Gnadl in einer Pressemitteilung.
Lisa Gnadl (l.), Dekanin Bertram-Schäfer (r.) und Karola Zühlke (3. v. r.) sowie weitere Helfer der Ortenberger Tafel.	(Foto: pv
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Lisa Gnadl (l.), Dekanin Bertram-Schäfer (r.) und Karola Zühlke (3. v. r.) sowie weitere Helfer der Ortenberger Tafel. (Foto: pv)
Am Ausgabetag liefern ehrenamtlich engagierte Helfer Lebensmittel an, packen Kisten aus und füllen Pakete für die Kunden. Lisa Gnadl kam nicht mit leeren Händen: Die Landtagsabgeordnete hatte zwei gefüllte Pakete mit haltbaren Lebensmitteln dabei.

»Mir ist wichtig, die Arbeit der Ehrenamtlichen vor Ort zu erleben und dieses Engagement zu würdigen. Gleichzeitig möchte ich aber auch verdeutlichen, dass jede Ausgabestelle einer Tafel das Versagen von Politik offensichtlich macht. Hier ist die Verantwortung aller Politiker gefordert«, sagte Gnadl.

Die ehrenamtliche Leiterin der Ausgabestelle, Karola Zühlke, und die Vorsitzende des Trägervereins, Dekanin Sabine Bertram-Schäfer, erläuterten der Besucherin den Tagesablauf.

Gemäß den Regeln der Tafeln erhalten bedürftige Familien (Bezieher von ALG II, Sozialgeld, Sozialhilfe, kleinen Renten oder anderen geringen Einkünften, überschuldete oder kranke Menschen) nach Bestätigung durch das Diakonische Werk oder die Caritas eine Kundenkarte. Damit können sie gegen einen Kostenbeitrag von einem Euro pro Erwachsenem und 50 Cent pro Jugendlichem - Kinder sind frei - alle zwei Wochen einen Korb mit Lebensmitteln abholen.

Über die Kundenzahlen sei Lisa Gnadl erschüttert gewesen: 84 Haushalte mit insgesamt 240 Personen - davon 90 Kinder - seien in Ortenberg als bedürftig ausgewiesen. Weitere 22 Haushalte stünden auf der Warteliste. »Diese hohe Zahl ist erschreckend. 90 Kinder sind in Ortenberg Tafelkunden, das sind 90 Kinder zu viel«, sagte Gnadl.

Für die Kinder packen die Helfer in der Weihnachtszeit Päckchen mit kleinen Geschenken. Dabei helfen und spenden viele Menschen in den umliegenden Gemeinden.

Karola Zühlke berichtete über eine Aktion in den heimischen Supermärkten, wo die 40 Helfer Warenspenden eingesammelt hätten. »Das gehört zu den zeitaufwändigen Leistungen der ehrenamtlichen Helfer«, erklärte sie.

Im Gespräch mit den Mitarbeitern seien nicht nur menschliche Schicksale, sondern auch gesellschaftspolitische Missstände diskutiert worden. »15 bis 20 Prozent der Empfänger sind Geringverdiener, die sich von ihrem Einkommen nicht ernähren können«, beklagte ein Helfer. »Das zeigt , wie dringend die Einführung eines Mindestlohns ist, damit die Menschen von ihrer Arbeit leben können«, forderte Gnadl.



8 Wer die Tafel unterstützten möchte, kann sich montags unter der Rufnummer 0 60 46/94 27 02 melden.

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Artikel vom 23.12.2010 - 16.37 Uhr
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