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02.09.2010 - 11.50 Uhr
Schleichwege über den Berg: »Nicht mehr leistbarer Luxus«
Ober-Mörlen (en). Dem »im Vorfeld von Wahlen weit verbreiteten Wahrnehmungsverlust« schreibt Bürgermeister Sigbert Steffens (parteilos) die Klagen der CDU in Sachen Sperrung der Nauheimer und Friedberger Straße zu. Seit über einem Jahr werde nach dem Ergebnis des 2009 durchgeführten Gutachtens versucht, die Verkehrsströme »übern Berg« neu zu ordnen.
Über 4300 Fahrzeuge fahren laut der Zählung auf den »Schleichwegen« Nauheimer, Friedberger und Hasselhecker Straße (statt über die B 275) von Ober-Mörlen nach Bad Nauheim und umgekehrt. Es sei nicht nur das vom Verkehrsministerium ausgegebene Ziel, diesen Ausweichverkehr zu beseitigen, sondern auch ein »haushalterischer Zwang«. Steffens: »Die drei Straßen mit insgesamt 30 000 Euro im Jahr instandzuhalten, ist ein Luxus, der künftig nicht mehr leistbar sein wird.«
Deshalb sei unter Beteiligung der Straßenverkehrsbehörden des Kreises und der Stadt Bad Nauheim sowie des Polizeipräsidiums Mittelhessen das aktuelle Konzept entwickelt worden - das der Erste Beigeordnete Wolfgang Richter in der Gemeindevertretersitzung vom 15. April auch bereits erläutert habe.
Anfangs hatte man sich, so Steffens, mit einer Einbahnstraßenregelung anfreunden wollen, doch die hatten die Landwirte gekippt: Weite Umwege zu ihren Äckern hätten die Bauern dann in Kauf nehmen müssen.
So entwickelte man die jetzt geplante Lösung: Zwei der drei Straßen - nämlich die Friedberger und die Nauheimer - werden per Beschilderung gesperrt und müssen angesichts der bedeutend niedrigeren Belastung auch nicht mehr ständig repariert werden. Und mit dem eingesparten Geld kann man die Hasselhecker und die Wintersteinstraße nicht nur instandhalten, sondern mittelfristig von Grund auf sanieren.
Gesperrt sind die beiden Straßen auch nur für den Durchgangsverkehr - wer Anlieger ist, weil er zur OGV-Anlage, zum MSC-Gelände, zu seinem Feld oder zu den wenigen Häusern am Johannisberg will, kann nach wie vor fahren. Zum Höhenweg nach Bad Nauheim und zum Flugplatz gelangt man über die Wintersteinstraße und den asphaltierten Grenzweg oberhalb des Waldsportplatzes.
In Kraft treten soll die Regelung voraussichtlich in einigen Wochen: Laut Bürgermeister Steffens sind die Schilder bestellt - sobald sie ausgeliefert und aufgestellt seien, gelte die Straße nach einer weiteren Bekanntmachung als gesperrt. Die Einhaltung des Durchfahrtverbots werde stichprobenartig kontrolliert.
Widerstände gegen die Sperrung hatte Steffens erwartet, man werde das Konzept trotzdem umsetzen. Zumal mit dem Bau der Umgehungsstraße - sofern sie jemals kommt - sowieso jeder Schleichverkehr ein Ende habe.