Scheint keine Sonne, wird in Mörlau halt geschunkelt
Mörlau (en). »Alles geben« wollten die Ober-Mörler Narren gestern Nachmittag, denn »Fassenacht is schee, aach bei Schnee« reimte MCC-Präsident Hendrik Schaupp vor dem Beginn des großen Umzugs vom Wagen der Tollitäten aus. Kollege Alexander Müller von der gastgebenden KG schlug angesichts der leichten Minustemperaturen vor, »gemeinsam Gaudi« zu machen.
Über 500 Gardemädchen ziehen durch die Straßen beim Ober-Mörler Lindwurm. (Foto: Nici Merz)
Und das Mörlauer Prinzenpaar verkündete es sogar im Duett: »Freude schenken, Sorgen vertreiben - das ist die wahre Fassenacht«. Selbst 361-Tage-Rathauschef Sigbert Steffens forderte seine Untertanen zum Feiern auf: Schon bald sei Aschermittwoch, und der Alltag in Ober-Mörlen werde »elend und grau«.
Kalte Füße gab’s schon beim größten Lindwurm der Wetterau, und Petrus’ angebliche Ankündigung, die Sonne rauszulassen, erwies sich auch als Falschmeldung. Aber der Mund fror nicht ein angesichts der Mitsing-Lieder aus dem Lautsprecher und von dem guten Dutzend Musikzügen, und wenn die Hände ab und zu zum Himmel gingen, hatten auch die ihre Bewegung.
Also einmal mehr alles paletti beim närrischen Treiben in den Ortsstraßen, dem freilich - wetterbedingt, da war man sich einig - nicht so viele Menschen beiwohnten wie in den Vorjahren. Noch am Morgen, so die Zugsprecher Holger Reuß und Burkhard Wahl, hatten fleißige Helfer die Zugroute vom Schnee der Nacht befreit, so dass am Mittag »alles tipptopp« aussah.
Nicht nur dem Wetter trotzten die Narren, sondern auch noch manch anderer Krise, vor allem der ganz großen - getreu dem Zug-Motto »Trotz aller Krisen, oh wie wunderbar - Mörlau feiert “Fassenacht wie jedes Jahr«. Der neue Zugmarschall Thomas Rau überließ es dem langjährigen Vorgänger Schorsch Bell, mit den ohrenbetäubenden Salutschüssen den in den Nebenstraßen am Schloss wartenden Gruppen mitzuteilen, dass es losgehen konnte. Dass gestern nur fünf Schüsse fielen, kommentierte Burkhard Wahl: »Nur fünf Patronen? Ach ja, die Krise!«
111 Nummern waren’s auch diesmal wieder, etlichen musste nach KG-Informationen abgesagt werden, damit der Zug überhaupt in den Ort passt. Wie stets, machte der TSV Nieder-Mörlen den Anfang, diesmal für die Landesgartenschau werbend, aus Espa kamen Mexikaner (das diesmal sicherlich beliebteste aller Outfits) und aus Nieder-Wöllstadt der erste von etlichen Karnevalvereinen, vom Elferratswagen grüßte NCV-Präsident Siegbert Freienstein. Auch aus Brandoberndorf waren Narren gekommen, aus »Brandy«, wie der ortskundige Wahl anmerkte, und natürlich von der Assenheimer AKG, unter anderem das preisgekrönte Männerballett.