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Ober-Mörler Student auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Artikel vom 29.11.2011 - 16.13 Uhr

Ober-Mörler Student auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Ober-Mörlen (en). Jan Brauburger ist in Ober-Mörlen noch bestens bekannt. Aber im Moment ist er in weiter Ferne: Der Student der Islamwissenschaft in Freiburg/Breisgau absolviert ein Auslandssemester in Ägypten. In der vergangenen Woche war er mehrmals auf dem Tahrir-Platz in Kairo, um mit den Demonstranten zu sprechen

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Nicht nur vor dem Sturz Mubaraks, sondern auch jetzt wieder wird auf dem Tahrir-Platz in Kairo für Freiheit und Demokratie demonstriert. (Foto: dpa)
»Tantawi soll gehen. Diese Forderung ist, glaubt man den Sprechchören und Bannern auf dem Tahrir-Platz, unumstritten. Doch sieht man genauer hin, stellt man fest, dass die Sprechchöre nie von mehr als 70, vielleicht 100 Leuten angestimmt werden. Die meisten Leute sind dabei, wenn »Hurya« gerufen wird, Freiheit. Ansonsten herrscht große Uneinigkeit unter den Protestierenden. Niemand auf dem Platz scheint eine Patentlösung für die Probleme zu besitzen. Sollen die Wahlen stattfinden wie geplant, oder verschoben werden? Wenn sie stattfinden – war das dann genügend Zeit für die neuen Parteien, um sich vorzubereiten?

Oder werden nicht etablierte Strukturen, wie zum Beispiel der politische Arm der Muslimbruderschaft, die sich unter Mubarak im Untergrund organisierte, dadurch begünstigt? Viele sehen das so.

Wann geht das Militär?

Zumindest die Muslimbruderschaft selbst, die am Wochenende vor den Wahlen den Tahrir-Platz mied. Sie will verhindern, dass die Wahlen verschoben werden. Denn als sicher gilt, dass sie bei den Wahlen sehr gut abschneiden, wenn nicht sogar gewinnen wird. Aber sollten die Wahlen verschoben werden, werden sie dann überhaupt stattfinden? Soll der Militärrat sofort gehen? Oder erst nach den Wahlen im Juli? Dies sind die Fragen, die die Menschen in Ägypten derzeit beschäftigen.

Ein Mann, er sagt, er sei Polizist, fordert vehement den Rücktritt von Feldmarschall Tantawi. Er will anonym bleiben. Tantawi, unter Mubarak jahrzehntelang Minister, nun Chef des SCAF, sei Teil des alten Regimes, so wie die gesamte Militärführung. Und durch die vielen Toten der vergangenen Tage habe er seine Berechtigung verloren, das Land zu führen.

Die Jugendlichen auf dem Platz, so scheint es, wollen sich lieber über das Leben in Europa unterhalten. Sie sind gut ausgebildet, hatten Deutsch oder Französisch in der Schule, Englisch sowieso, studieren alle. Wenn es hart auf hart kommen sollte, werden sie das Land verlassen und ihr Glück im Westen versuchen. Sie alle tragen Atemschutzmasken, die ihnen locker vom Hals herunter baumeln. Seitdem die Polizei massiv Tränengas eingesetzt hat, sind sie auf den Straßen vor dem Platz der Verkaufsschlager.

Da sein, weil man dabei sein muss

Sie sind hier, sagen sie, um für ihre Freiheit zu kämpfen. Doch macht es eher den Eindruck dass sie hier sind, weil man hier eben sein muss. Sie wollen gleich wieder in die Mohammed-Mahmud-Straße, die Straße, die vom Tahrir-Platz aus zum ägyptischen Innenministerium führt. Hier fanden in den letzten Tagen die heftigsten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten statt. Hier, so denken viele, wird die Freiheit der Ägypter erkämpft.



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