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»Nur Veredeln kann alte Apfelsorten bewahren«

Artikel vom 08.02.2012 - 14.34 Uhr

»Nur Veredeln kann alte Apfelsorten bewahren«

Ober-Mörlen (pm). Goldparmäne, Boskoop und Bohnapfel gehören zu den häufigsten Apfelsorten im Naturschutzgebiet Magertriften. Das überrascht kaum. Interessanter sind regionale oder seltene Sorten. Auch die gibt’s.

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Steffen Kahl (vorn) und Klaus Nadler bei der Sortenbestimmung. (Foto: pv)
Gestreifter Matapfel, Ruhm aus Kelsterbach und Coulons Renette zum Beispiel. Das geht aus der Auswertung der Sortenkartierung vom Herbst hervor.

Die Untersuchung lief im Rahmen des Projekts »Obstgarten Hessen«, das die Naturschutz-Akademie Hessen (Wetzlar) für das Land durchführt. Ziel ist die Erfassung und Pflege von alten, regionaltypischen Obstsorten. Ausgewählte Bäume, die sich zum Schneiden von Reisern eignen, sollen in einer Datenbank erfasst und seltene Sorten durch Nachzucht wieder stärker verbreitet werden.

Robert Scheibel, Vorsitzender der Naturschutzgruppe, konnte den Sortenkenner Steffen Kahl aus Aßlar für zwei Tage nach Ober-Mörlen holen. Für die Sortenbestimmung wurden 30 Hektar der Magertriften ausgewählt. Kahl begutachtete mit Unterstützung der Naturschützer über 460 hochstämmige Obstbäume. In die Auswertung flossen weitere 120 Bäume ein, für die der Verein seit Jahren ein Sortenkataster führt.

77 Apfelsorten konnten bestimmt werden, unter den häufigeren sind auch Kaiser Wilhelm, Roter Trierer Weinapfel, Goldrenette aus Blenheim, Jakob Lebel und Croncels. Schon seltener sind Gelber Bellefleur, Cox Pomona und Dülmener Herbstrosenapfel, die mit jeweils einem Exemplar in der Auswertung erscheinen. Zu den typisch hessischen Sorten gehören Heuchelheimer Schneeapfel, Anhalter und Winterprinzenapfel (auch als Friedberger Bohnapfel bekannt). Eher kurios ist das wiederholte Auftauchen des Roten Fresquin – das ist ein bittersüßer Cidre-Apfel aus der Normandie.

Etwa 60 Apfelbäume konnte auch Experte Steffen Kahl nicht oder nur mit Fragezeichen bestimmen, was angesichts von schätzungsweise 2000 alten Apfelsorten in Deutschland allerdings auch niemanden verwunderte. Rätsel gibt in Ober-Mörlen und Umgebung eine mündlich als »Holländische Parmäne« überlieferte Sorte auf, deren Früchte wie große Goldparmänen aussehen. Hier sind die Pomologen noch am forschen.



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