Nidderau (pm). Für einigen Unmut bei der Stadt sorgt das Vorhaben der Deutschen Bahn AG, kurzfristig Sanierungsarbeiten an der Eisenbahnbrücke am Bahnhof Windecken durchzuführen.
Für die laut Bahn »unaufschiebbare« Maßnahme muss die Bundesstraße 45 (Konrad-Adenauer-Allee) in den Nächten von Freitag auf Samstag (18./19. November) und von Samstag auf Sonntag (19./20. November) jeweils von 18 Uhr abends bis 8 Uhr morgens für den Verkehr voll gesperrt werden. Lediglich Fußgänger und Radfahrer können die Unterführung der Bahnlinie Stockheim–Bad Vilbel in dieser Zeit durchqueren. Die Umleitung für den Autoverkehr erfolgt weiträumig über die neue Ortsumgehung Schöneck. Die Linienbusse fahren unverändert die Haltestellen Willi-Salzmann-Halle und Rathaus an.
»Dass die Maßnahme zwingend erforderlich ist, ist unstrittig«, so Bürgermeister Gerhard Schultheiß. Verärgert zeige sich die Stadtverwaltung aber über die Vorgehensweise der Bahnmanager. Erst an diesem Montag habe die zuständige DB Netz AG, Regionalbereich Mitte in Friedberg, das Rathaus informiert, dass man bereits am kommenden Wochenende (11. bis 13. November) die Arbeiten durchführen wolle. Die Stadt habe umgehend ihr Veto eingelegt, weil die Einrichtung einer Umleitung, die Verlegung der Buslinien und die Information von Anwohnern und Bürgern so kurzfristig nicht zu leisten sei. Einen Tag später sei ein neuerliches Schreiben der DB Netz AG gefolgt, dass die Arbeiten nun in den Nächten des 18. bis 20. November stattfinden würden. »Wir möchten Sie, nach Abstimmung mit der Verkehrsbehörde, davon unterrichten, dass die Arbeiten auf das folgende Wochenende verschoben werden müssen«, heißt es in dem Brief aus Friedberg. »Das ist wieder mal typisch für die Bahn. Seit Jahresbeginn haben wir mehrfach nachgefragt, wann die Sanierung durchgeführt werden soll – und wie üblich keine oder ausweichende Antworten erhalten. Und nun muss es auf einmal hoppla hopp gehen, getreu dem Motto ›Jetzt kommt die Bahn, bereitet mal schnell alles vor»«, zürnt Bürgermeister Schultheiß. Der Rathauschef spricht von einem »unsäglichen Verhaltensmuster der Bahn-Verantwortlichen«. In dieses Schema passen laut Schultheiß die Weigerung des Staatsunternehmens, den Park-und-Ride-Platz am Bahnhof Eichen an die Stadt zu veräußern und der marode Zustand der Bahnhöfe Eichen und Heldenbergen, die sich durch die Untätigkeit des Unternehmens stetig von Sanierungsfällen zu Schandflecken wandeln. »Wenn Straßenbauarbeiten anstehen oder Versorger neue Leitungen verlegen wollen, erfolgt frühzeitig eine konstruktive Absprache mit allen Beteiligten, nur die Bahn scheint sich an dieses normale Miteinander nicht halten zu wollen oder zu müssen«, kritisiert der Bürgermeister.
In der Pressemitteilung der DB Netz AG werden die Bauarbeiten als »notwendig zur Aufrechterhaltung der Betriebssicherheit« bezeichnet. Entstanden seien die Schäden an der Brücke durch »Anfahrschäden der Straßenfahrzeuge«. Die Bundesstraße 45 muss in diesem Bereich gesperrt werden, um Arbeitsbühnen aufstellen zu können, von denen aus geschädigte Stahlträgerteile ausgewechselt werden. Einig ist sich die Stadt mit der Bahn zumindest in einem Punkt: Wegen der zu erwartenden nächtlichen Lärmbelästigung werden die Anwohner um Verständnis gebeten. Eine weiträumige Umleitungsbeschilderung sei laut Bahn in Auftrag gegeben.