Niddatal-Kaichen (udo). Süßigkeiten für Tiere, Frische Farbe im Wohnzimmer und der Verzicht auf Geschenke: Wie Weihnachten bei den Christen in Indien gefeiert wird, kann die indische Künstlerin Lucy D’Souza-Krone erzählen.
Lucy D’Souza-Krone vor dem Bild des in Indien wichtigen Weihnachtssterns. (Foto: udo)
Sie lebt mit ihrem Ehemann, dem evangelischen Pfarrer Andreas Krone, seit April in Kaichen. D’Souza-Krone ist im katholisch geprägten Bundesstaat Goa geboren.
Nur etwas mehr als zwei Prozent der Inder sind Christen, die meisten davon Katholiken – bei einer Bevölkerungszahl von über einer Milliarde sind das dennoch etwa 24 Millionen Menschen, die das Fest nach christlicher Tradition feiern. Hier währt die Weihnachtszeit vom 24. Dezember bis zum 12. Januar. »Im Advent wird das Haus geputzt und frisch gestrichen«, berichtet D’Souza-Krone, die lange Zeit in einem katholischen Internat verbrachte. »Bei uns wird nicht so viel Wert auf Geschenke gelegt, und es wird auch kein Adventskranz oder Weihnachtsbaum aufgestellt«, berichtet sie. Statt materieller Dinge stehe der Gedanke des Teilens im Mittelpunkt. Aber zur Weihnachtszeit werde gerne neue Kleidung angeschafft. Anstelle von Tannen und Fichten schmückten viele Inder Palmen, Bananenstauden und Mangobäume.
Zu Kuchen oder Keksen, die vor dem Fest gebacken werden, wird aus Papier und Bambus ein Stern gebastelt. Mit ihm ziehen die Jugendlichen von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder – auch wenn Musik im kirchlichen Leben der indischen Christen nicht so wichtig sei, wie D’Souza-Krone berichtet. Die Leute besuchten sich gegenseitig, doch auch wer unangemeldet an die Tür klopfe, sei willkommen: »Weihnachten ist das Fest des Teilens mit den Armen. Sie bekommen zu essen, wenn sie an die Tür pochen«, so die Pfarrergattin.
»Nach der Messe in der geschmückten Kirche werden Süßigkeiten verteilt – auch an die Tiere«, erzählt die Künstlerin. Am ersten Weihnachtsfeiertag dann feierten Christen, Hindus und Moslems gemeinsam, auch in den Kirchen. »Alle wollen die Krippe sehen und gemeinsam beten.« Aber auch die Christen nähmen auch an den Feierlichkeiten der Hindus teil. Deren Lichtfest werde vom gesamten Land gefeiert. Das Datum folge dem Mondkalender. Wichtig seien die Hausaltäre. Die Christen hätten in ihren Häusern eher Ikonen stehen.
Wie Lucy D’Souza-Krone erzählt, verbrachte sie einige Jahre in einem Ashram in Südindien. Dieses ist als eine Art Kloster zu verstehen, in das man auf bestimmte Zeit hin eintreten darf und das von einem Lehrer geleitet wird. Hier sei eine karitative, musische oder meditative Ausrichtung möglich. »Ein Ashram ist auch ein offenes Haus für Künstler, in dem sich um einen geistlich orientierten Menschen eine Schülerschar gruppiert.«