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Er arbeitet lieber am Hintergrund

Artikel vom 14.01.2012 - 14.37 Uhr

Er arbeitet lieber am Hintergrund

Niddatal-Assenheim (hed). Wenn Mercedes einen Werbespot in Malaysia drehen will, wenn Tschibo seine Kaffeebohnen gekonnt in Szene setzen möchte oder Siemens ein Cover für den Jahreskalender sucht, rufen Sie mitunter auch in Assenheim an. Hier wohnt und arbeitet Charlie Dombrow.

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In Bildbänden sucht Charlie Dombrow nach Anregungen. (Foto: hed)
Er sucht im Auftrag großer Werbefirmen die passenden Hintergründe für Fotoshootings aus, und das nun schon seit 22 Jahren. »Als ich anfing, gab es für meinen Beruf keine Bezeichnung«, sagt der – ein deutsches Wort gibt es auch heute nicht – Locationscout.

Er jettet für schnelle Autos und hübsche Models nach Malaysia oder Südfrankreich und arbeitet sonst von zu Hause. Charlie Dombrow hat einen Job, um den ihn viele beneiden. Seine von ihm, Hundedame »Lara« und zahlreichen Fischen in 22 Aquarien bevölkerte Wohnung in Assenheim ist die Schaltzentrale seiner Firma »KGB Locationservice«. Oft ist der 55-Jährige allerdings nicht zu Hause. »Man reist sehr viel«, sagt Dobrow. Gerade ist er von einem Job aus Südeuropa zurückgekommen. »Ein Riesenauftrag.« Erzählen darf er davon leider nichts. »Die Geheimhaltung wird bei den großen Kunden sehr ernst genommen.«

Es wird wohl wieder ein Autohersteller sein. Für die hat der Locationscout schon des Öfteren gearbeitet. Die Firmen beauftragen ihn damit, einen passenden Hintergrund für ihr Produkt zu suchen. Dafür recherchiert Dombrow in Bildbänden, Geo-Ausgaben und Architektur-Zeitschriften, die zu Hunderten in seinem Wandregal stehen. Neuerdings ist auch Google-Earth recht hilfreich. Für Mercedes fand er ein Flugfeld in Malaysia, für Porsche eine Straße auf den Lofoten. Aber auch die Wetterau hat schöne Motive: »Wir waren für Hess-Natur schon im Bad Nauheimer Sprudelhof oder auf dem Johannisberg. Oft shooten wir vor den Serpentinen bei Nidda-Stornfels. Solche gibt es sonst nur in den Alpen.« Den Honda FCX (mit Brennstoffzelle) nahm man hier auf. »Das musste im Umkreis von Frankfurter geschehen, weil es nur hier eine Wasserstoff-Tankstelle gab – und der Tank hielt nur 300 Kilometer«, erinnert sich Dombrow. Als Location-Manager, der im Vorfeld Kosten und Zeitrahmen zu kalkulieren hat, ist es auch seine Aufgabe, alle etwaigen Schwierigkeiten am Aufnahmeort zu lösen. »Verträge müssen ausgehandelt, Genehmigungen erteilt und Straßen abgesperrt werden.« Bei Fotos von neuen Modellen komme es schon mal vor, dass Sicherheitsleute eine Decke übers Auto werfen, wenn sich doch mal Passanten nähern. Heutzutage werde nicht selten ein am Computer erstelltes Polygonmodell auf den Hintergrund gelegt, erzählt der 55-Jährige.

Aus seinen 22 Berufsjahren kann der Assenheimer so manche Anekdote erzählen. Beispielsweise die, in der über einem sündhaft teuren Sportwagen auf einer Kartbahn im Odenwald ein Helikopter schwebt, durch dessen Rotorblätter in 80 Metern Höhe ein Foto geschossen wurde. »Das sah bombastisch aus. Dumm nur, dass keiner von uns eine Kamera dabei hatte«, lacht Dombrow.

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Für den Bierhersteller hat der Locationscout eine Sommerparty auf einer Frankfurter Dachterrasse inszeniert – im Februar. (Foto: Michael Schnabel)
Da Werbeaufnahmen meist Monate vor Erscheinen des Produkts angefertigt werden, kommt es schon mal vor, dass der 55-Jährige für einen Winterkatalog einen Weihnachtsbaum besorgen muss – »versuchen Sie das mal im Mai.« Oder die Sommerparty auf der Dachterrasse in Frankfurt, die Dombrow und sein Team für den Bierhersteller Binding inszensierten. »Im Februar war die natürlich zu, also haben wir 250 Statisten besorgt, die ihre Winterjacken ausziehen und eine Party feiern mussten.« Der Fotograf stand auf einer 50-Meter-Bühne, ein schwebender Lichtballon erhellte die Nacht. »Das war schon eine der größeren Produktionen.« Generell sei Frankfurt mit seiner Skyline und den Hochhausschluchten für ihn die halbe Miete. »Das hat man sonst nirgendwo in Europa.«

Tausende Fotos in seinem Archiv

Nach dem »Shoot« (den Fotoaufnahmen) endet Dombrows Arbeit. 90 Prozent der fertigen Bilder bekomme er gar nicht zu Gesicht, sagt der 55-Jährige. Oft ist es ihm auch lieber so: »Bei der Nachproduktion wird vieles verändert. Manchmal denke ich: Was haben die aus meiner Idee gemacht?« Vielleicht will sich der Assenheimer, der als Fotoassistent bei einem Modefotograf anfing, auch deshalb künftig eher seinen anderen Projekten widmen: Schon Mitte der 90er kam er auf die Idee, Hintergründe selbst zu fotografieren und als »Backplates« für Kunden anzubieten, die ihr Produkt dann nur noch »aufkleben« müssen. Tausende Hintergründe hat Dombrow mittlerweile in seinem Archiv. Als Fotograf, der auch gerne niveauvolle Aktfotos im Stile eines David Hamilton schießt, bietet er Privatleuten an, sie im Fotostudio oder auch zu Hause aufzunehmen und dann per Computer in eine Umgebung ihrer Wahl zu stellen. Dann müssen sie – auch wenn’s sicher schöner wäre – erst gar nicht nach Südfrankreich fahren.

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Artikel vom 14.01.2012 - 14.37 Uhr
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