Münzenberg (sto). Beim jährlichen Treffen der mittelhessischen Markmeister und Privatwaldeigentümer steht auch immer ein Rundgang durch einen der Mitglieder-Forste auf der Tagesordnung.
Forstamtsleiter Harald Voll zeigt Schutzmaßnahmen der Pflanzen gegen Wildverbiss. (Fotos: Storck)
Dieses Mal besichtigte die Gruppe den Markwald in Trais-Münzenberg. Die Fachmänner sprachen über Chancen und Probleme im Forst – und freuten sich über die Douglasie, den »Baum der Zukunft«.
Obwohl der Markwald zum Wetteraukreis gehöre, werde er aufgrund alter Verbindungen vom Forstamt Wettenberg betreut. Die anderen Wälder im Stadtgebiet seien im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Nidda, berichtete Bürgermeister Hans Jürgen Zeiß. Neben den Rathauschef begrüßten die Bellersheimer Markmeisterin und Vorstandsmitglied im Hessischen Waldbesitzerverbandes ,Sylvia Ruppel, und Markmeister der Mark Trais-Münzenberg, Burghardt Walter, auch den Präsidenten des Hessischen Waldbesitzerverbandes, Freiherr Michael von der Tann, den Geschäftsführer Christian Raupach, den Traiser Ortsvorsteher Matthias Müller sowie die Landtagsabgeordneten Klaus Dietz (CDU), Heinz Lotz (SPD) und Helmut von Zech (FDP).
Während des Rundgangs durch den rund 46 Hektar großen Markwald mit seinen 28 Anteilen erläuterten der Amtsleiter des Forstamtes Wettenberg, Harald Voll, und Revierförster Hainer Alberding die Probleme des Areals, das trotz seiner kleinen Größe viele Besonderheiten aufweise. So sei der Anteil der Douglasie mit 19 Prozent ungewöhnlich hoch. Landesweit betrage er nur fünf Prozent. Das Nadelgehölz gelte unter Forstleuten als der »Baum der Zukunft«. Die im Laufe der Eiszeit aus Europa verschwundene Douglasie sei aus Nordamerika hier eingeführt worden. Zu den positiven Eigenschaften zähle der schnelle Wachstum und die Standfestigkeit. Zudem gelte sie wegen ihres niedrigen Wasserbedarfs in regenarmen Regionen wie der Wetterau als ideal. Außerdem sei sie bisher in Europa noch nicht von Käfer-Schädlingen befallen worden.
Die Gruppe sammelt sich vor dem Traiser Markwald zum Rundgang durch den Forst.
Christian Raupach berichtete zudem, dass Nadelbäume bedeutend schneller wüchsen als Laubbäume, was eine nicht zu unterschätzende betriebswirtschaftliche Größe für die Waldbesitzer sei. Er wolle jedoch nicht den gängigen Trend weg von der Fichtenmonokultur in Frage stellen. Der Blick zur existenziellen Frage der Waldbauern aber dürfe bei der Zukunftsplanung nicht außer Acht gelassen werden.
Den Wald als Wirtschaftsfaktor hob Freiherr Michael von der Tann hervor. So kritisierte er Pläne der Politik, fünf bis zehn Prozent des Waldes aus der wirtschaftlichen Nutzung zu nehmen. Waldbewirtschaftung sei auch eine Strukturverbesserung auf dem Lande. Die nachhaltige Bewirtschaftung seines Waldes bezeichnete der Präsident als Eigeninteresse des Eigentümers zur Werterhaltung seines Forstes. Von der Tann wies auf die »gesamtgesellschaftliche Bedeutung des Waldes« hin. Er sei nicht nur Holzlieferant, sondern speichere und reinige das Grundwasser. Außerdem filtere er die Luft. Und für diese Dienste an der Gesellschaft würden die Waldbesitzer nicht bezahlt. Zum Schutz der jungen Bäume regte von der Tann an, den Jägern zu erlauben, im Winter männliches Rehwild schießen zu dürfen. Gab es bei diesen Punkten unterschiedliche Vorstellungen der Waldnutzung, so war sich die Gruppe in dem Punkt einig, dass der Forst ein idealer Standort für Windräder sei, da Wald häufig auf windreichen Höhenzügen zu finden sei.
Die Problematik des Wildverbisses erläuterte Revierförster Hainer Alberding. So sei man aus Kostengründen von der Umgatterung von Aufforstungsflächen abgekommen. Im Markwald setze man auf Großpflanzen ab 1,20 Meter. Von der Möglichkeit, Pflanzen vor Wildverbiss mit einer Spirale zu schützen, halte er nicht viel, da einwachsen könne. »Wir experimentieren noch mit verschiedenen Versionen«, sagte der Revierförster.
Am letzten Stopp besichtigten die Besucher eine Abteilung Linden. Das Holz sei praktisch nicht zu verkaufen, es bleibe jedoch die Hoffnung auf eine Änderung am Holzmarkt.