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Vater soll Säugling zu Tode geschüttelt haben

Artikel vom 09.06.2011 - 19.16 Uhr

Vater soll Säugling zu Tode geschüttelt haben

Münzenberg/Friedberg (lk). »Ich habe meinen Sohn niemals geschüttelt«, betonte der 23-jährige Angeklagte, der sich seit gestern vor dem Friedberger Schöffengericht verantworten muss. Der aus einem Münzenberger Stadtteil stammende junge Mann ist der Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Demnach soll er im August 2007 seinen knapp drei Monate alten Sohn so stark geschüttelt haben, dass dem Baby eine Vene im Kopf riss. Der Säugling verstarb wenig später in der Gießener Kinderklinik.

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Prozess vor dem Friedberger Amtgericht.
© nic
Bereits vor Jahren ermittelte die Gießener Staatsanwaltschaft zu dem tragischen Geschehnis. Das Verfahren gegen den damals 19-Jährigen wurde aber nicht eröffnet (die WZ berichtete).

Gegen diese Entscheidung hatte die Mutter, die mittlerweile in Friedberg lebt, Beschwerde eingelegt. Seit gestern sitzt der heute 23-Jährige, der durch eine Zufallsbekanntschaft Vater geworden war, auf der Anklagebank. Die Mutter des Kindes tritt als Nebenklägerin auf.

Staatsanwalt Dr. Philipp Stein verlas die Anklageschrift: Das Kind, das nach einer Diskoveranstaltung gezeugt worden sei, habe Anfang August beim Angeklagten geschlafen. Erst nach der Geburt des Kindes habe er von seiner Vaterschaft erfahren. Am Tag des Vorfalls habe das Kind unter Blähungen und Koliken gelitten. Der Münzenberger habe das Kind aus Überforderung geschüttelt, dabei sei die Vene gerissen. In der Kinderklinik konnte nur noch der Hirntod festgestellt werden.

Der Angeklagte, der sich derzeit in der Ausbildung befindet und bei seiner Mutter lebt, machte zunächst keine Aussagen zu den Vorwürfen. »Seine Mutter hat den Kleinen bei uns abgeholt«, erinnerte sich die 23-jährige Nebenklägerin. Das Kind sollte über Nacht bei seinem Vater bleiben. Am nächsten Tag habe die Mutter des Mannes angerufen und gesagt, der Notarzt sei da. »Der Kleine hätte Blut gespuckt, hat sie gesagt«, erinnerte sich die Kindesmutter. Sie sei gemeinsam mit ihrer Mutter sofort vom damaligen Wohnort Ostheim nach Münzenberg gefahren. Dort habe sie gesehen, dass ihr Kind beatmet worden sei.

Es sei das zweite Mal gewesen, dass der Säugling über Nacht bei seinem Vater geblieben sei, zuvor habe er das Kind etwa sieben Mal gesehen. Er sei normal mit dem Baby umgegangen. »Etwas unsicher«, sagte die Frau.

Die Ärzte in der Kinderklinik hätten erst nicht mit der Sprache herausrücken wollen. »Einer hat uns dann gesagt, dass eine Vene gerissen ist und dass das durch Gewalteinwirkung gekommen ist. Das hat meine Vermutung bestätigt.«



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