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Kulturhistorisches Zeugnis knapp vor der Deponie gerettet

Artikel vom 20.07.2010 - 12.00 Uhr

Kulturhistorisches Zeugnis knapp vor der Deponie gerettet

Münzenberg (pm). Als Dieter Härtl vom Vorstand des Freundeskreises Burg und Stadt Münzenberg im Spätherbst 2008 in der oberen Eichergasse zufällig an der Baustelle vor dem Haus Nummer 12 vorbeikam, hielt er inne: Im Rahmen von Kanalarbeiten war ein alter Brunnen mit einem Durchmesser von 1,80 Meter freigelegt worden, dessen Oberkante zwei Meter unter dem Straßenniveau lag.
Stein gesetzt: Ottmar Schäfer und Richard Döll vom Freundeskreis.	(Foto: pv)
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Stein gesetzt: Ottmar Schäfer und Richard Döll vom Freundeskreis. (Foto: pv)
Zur Abdeckung des Brunnenschachts hatte man bei einer der früheren Straßensanierungen eine über zwei Meter hohe Buntsandsteinsäule benutzt, die nun zwar geborgen wurde, aber auf einer Mülldeponie entsorgt werden sollte.

Nach der Säuberung des Steins erkannte Härtl auf der einen Seite Buchstaben und Zahlen, die die Säule als alten Verbotsstein auswiesen.

Der Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg entschied sich nach Rücksprache mit der Unteren Denkmalbehörde, dem Kreisarchäologen und der Stadt Münzenberg, den Stein an einen geeigneten Ort zu setzen. Dies geschah nach Absprache mit dem Naturschutzfonds Wetterau als Eigentümer und dem Pächter des westlich des Münzenberger Ortes am Friedberger Weg (ehemals Judenpfad) gelegenen Wiesenstücks durch die Freundeskreismitglieder Ottmar Schäfer und Richard Döll.

In ganz Hessen gibt es laut dem Freundeskreisvorsitzenden Uwe Müller nur noch zehn dieser Steine, davon zwei in Münzenberg und einen in Rockenberg (am ehemaligen Judenpfad, hinter dem Heidehof Schäfer).

Die Aufschrift der neu gesetzten Säule entspricht exakt der Inschrift des am Betonweg zwischen Münzenberg und Ober-Hörgern kurz vor der Querung des Hechtgrabens stehenden Verbotssteins.

Sie bedeutet: »Verbotener Weg (VBW), zu gehen bei 30 Kreuzer (ZGB 30), zu reiten bei 45 Kreuzer (ZRB 45), zu fahren bei 1 Gulden (ZFB 1G) und 30 X Kreuzer Strafe (30 X ST)«.

Diese historischen Buntsandsteinsäulen, die entlang eines Weges zwischen Ober-Hörgern und Münzenberg und weiter in Richtung Steinfurth platziert worden waren, untersagten das Durchqueren von privatem, herrschaftlichem Gelände, da eine häufige Nutzung des Weges große Schäden hinterließ.

Uwe Müller: »Der Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg freut sich, erneut dazu beigetragen zu haben, ein kulturhistorisches Zeugnis zu erhalten.«

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