Münzenberg (pm). Am Donnerstagabend hatten der Freundeskreis, die Stadt und die Ovag zur Lesung in die Alte Synagoge eingeladen.
Die Akteure des Abends: (von links) Ottmar Schäfer, Dieter Haas, Patrizia Kraft, Christian Sedlak, Philip Krause, Eva Borchers.
In dem fast bis auf den letzten Platz besetzten Raum hatte Philip Krause aus Münzenberg wohl die größte Fangemeinde mitgebracht. Jene, denen das schreibende Talent bislang unbekannt war, dürften an diesem Abend Anhänger von ihm geworden sein. Denn mit seiner im Stakkato vorgetragenen Geschichte »Der Wecker« rief er regelrecht Begeisterung vor, was nicht nur an der originellen Art des Vortrags lag.
Zu Beginn hatte Ottmar Schäfer vom Freundeskreis-Vorstand die Gäste begrüßt, darunter auch eine Schülergruppe der Singbergschule aus Wölfersheim. Dieter Haas umrahmte mit seiner Musik die Lesungen, die von Andreas Matlé von der Ovag kurz eingeleitet wurden.
Eva Borchers aus Münzenberg bevorzugt die leisen Töne, bei dem Jugend-Literaturwettbewerb konnte sie sich bereits dreimal in die Gewinnerliste einschreiben. Die Weidigschülerin hält kleine Beobachtungen fest, die auf Missstände in der Gesellschaft zielen, aber auch auf Abgründe in den Menschen, auf Versagen oder Vertrauensverlust.
Der »Tattoomacher« hieß die Geschichte von Patrizia Kraft aus Ranstadt, die das Gymnasium in Nidda besucht. In dem kurzen Text beschwört ein Tätowierer mit Inbrunst seine Tätigkeit – bis er am Ende das düstere Geheimnis lüftet, dass sich seine Arbeitsstätte in einem Konzentrationslager befindet. Blieb noch Christian Sedlak aus Karben. In seiner nachdenkenswerten Geschichte »Gleise« schickt er vier Kinder auf die Reise nach Amerika. Was für die einen Spiel, ist für den Anführer Ernst. Nach und nach siegen Müdigkeit und Heimweh über den Wunsch nach einem wagemutigen Abenteuer.
Anschließend standen die vier Literaturpreisträger dem fragenden Publikum zur Verfügung, bevor es die jungen Künstler mit großem Applaus verabschiedete.