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Diethardt Stamm (Grüne) schießt gegen eigene Partei

Artikel vom 03.01.2012 - 10.00 Uhr

Diethardt Stamm (Grüne) schießt gegen eigene Partei

Wetteraukreis (hed). Im August hatte Grünen-Mitglied Diethardt Stamm im Streit mit dem Parteivorstand das Handtuch geworfen und nicht mehr für den Zweckverband der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (ZOV) kandidiert. Nun schießt der Münzenberger erneut gegen die eigene Partei.

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Bei den Verhandlungen über den Koalitionsvertrag sind sich Diethardt Stamm (l.) und der Parteivorstand noch grün, heute scheint das Tischtuch zerschnitten. (Archivfoto: pv)
In einer Pressemitteilung der »Grünen Zukunft Wetterau«, ein Zusammenschluss von Grünen-Mitgliedern außerhalb der Parteigremien, wirft Stamm seinen Nachfolgern im sogenannten Ovag-Parlament Untätigkeit vor. Die Angesprochenen weisen das entschieden zurück. Sie sind vielmehr der Meinung, Stamm ist noch immer beleidigt.

Fast 25 Jahre hatte Diethardt Stamm die Grünen im ZOV vertreten. In das aus Vertretern der Kreise Wetterau, Gießen und Vogelsberg bestehende Gremium, das die Geschicke des Energieversorgers Ovag mitlenkt, wollte Stamm nach der Kommunalwahl von ihm ausgewählte Kandidaten wählen lassen, um mit ihnen den Atomausstieg der Ovag voranzubringen, den er mit im Koalitionsvertrag der Wetterauer Ampel (SPD, Grüne, FDP) festschreiben ließ. Daraus wurde nichts: Die Grünen-Mitglieder votierten gegen Stamms Wunschkandidatin und für die Rosbacherin Beate Roth, die jetzige Grünen-Fraktionsvorsitzende im ZOV. Stamm zog beleidigt ab.

Den damals Gewählten wirft Stamm nun Untätigkeit vor. Er fordert von ihnen »inhaltliche Taten«, damit »die Wetterauer Grünen zukünftig im Energiebereich noch ernst genommen werden«. Der 65-jährige Münzenberger betonte, sowohl von Roth als auch von der ebenfalls ins Gremium gewählten Brigitta Nell-Düvel (auch Erste Stadträtin in Bad Nauheim) höre man seit deren Wahl nichts mehr. Inhaltliche Anträge oder das Einbringen grüner Vorstellungen in die neue SPD-Grünen-FW-Koalition im ZOV gebe es nicht. Beide schwänzten regelmäßig den parteieigenen Umwelt- und Energiearbeitskreis, kämen Vereinseinladungen für öffentliche Diskussionen nicht nach und informierten die eigene Partei nicht, meint Stamm. »Die bemühen sich um nichts.« Für die »Grüne Zukunft Wetterau« sei es »ein Unding, dass nach einer monatelangen Einarbeitungszeit verantwortliche Grüne bei dem wichtigen Thema der Energiewende völlig abtauchen und Verrat an den Wählern betreiben«, poltert Stamm weiter. Auch bei der jüngst angekündigten Strompreiserhöhung bei der Ovag hätte er sich Protest der Grünen erhofft.

Er empfiehlt seinen Nachfolgern, die sich selbst in die Verantwortung gedrängt hätten, sich der Ovag »wenigstens auf dem Niveau eines Elektroauszubildenden im ersten Lehrjahr« zu nähern und aufzuhören, »nur Termine mit Essen und Trinken wahrzunehmen«.

»Stamm beschädigt Bild der Grünen«

Die beiden angesprochenen Grünen-Politikerinnen reagierten erschüttert auf Stamms Vorwürfe. »Das ist eine echte Sauerei«, sagte Roth auf WZ-Anfrage. Auch wenn sich die siebenköpfige Fraktion erst einarbeiten müsse, sei man keineswegs untätig. »Wir hatten mehrere Infoveranstaltungen mit dem Ovag-Vorstand und beispielsweise der Hessenenergie«, betont die Rosbacherin. Auch mit den Vertretern der Koalitionsfraktionen habe man sich mehrfach getroffen. Zudem habe es erst zwei ZOV-Sitzungen nach der Kommunalwahl gegeben, und in denen hätten die Grünen zwei Anträge formuliert. »Unter anderem haben wir gefordert, dass die Ovag bis März eine Neufassung ihres Energiewirtschaftlichen Gesamtkonzepts vorlegt, in dem der Verzicht auf Unternehmensbeteiligungen in Kohle - und Atomstromproduktion festgelegt wird.« Über den Antrag werde derzeit debattiert. »Früher sind Herr Stamms Anträge alle abgelehnt worden. Wir versuchen es mit einem kooperativeren Weg«, betont Roth. Stamm kritisiere sie bei jeder Gelegenheit, das koste sie viel Zeit und Energie. »Geht es ihm wirklich um grüne Ziele, sollte er uns lieber unterstützen. So aber beschädigt er das Bild der Wetterauer Grünen.«

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Artikel vom 03.01.2012 - 10.00 Uhr
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