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Den Boden wieder schätzen und schützen lernen

Artikel vom 23.09.2009 - 16.32 Uhr

Den Boden wieder schätzen und schützen lernen

Münzenberg/Wetteraukreis (en). An die 7000 Quadratmeter Boden werden allein in der Wetterau tagtäglich versiegelt, in Deutschland sind es 118 Hektar - jeden Tag. Alarmierende Zahlen wie diese hat das Evangelische Dekanat Wetterau in einem Flyer zusammengetragen, der die Leser auf den kommenden Sonntag einstimmen soll. Dann wird nämlich nicht nur gewählt, sondern auch sensibilisiert: Eine »Feier für den Boden« richten das Dekanat und die Münzenberger Kirchengemeinde aus, »Boden für die Urenkel« heißt das Motto.
Werben für den Bodentag des Dekanats: (oben) Silke Vogel, Dr. Maren Heincke, Rainer Vogel, Professor Tamas Harrach, (unten) Achi
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Werben für den Bodentag des Dekanats: (oben) Silke Vogel, Dr. Maren Heincke, Rainer Vogel, Professor Tamas Harrach, (unten) Achim Meisinger, Peter Nickel und Hans Barth. (Foto: Engel)
In der Münzenberger Kirche beginnt der Aktionstag um 10 Uhr mit einem Erntedankgottesdienst, den Pfarrer Uwe Wagner-Schwalbe und das Projektteam gemeinsam gestalten. Ein Brunch folgt, dann geht’s weiter mit »Informationen zum Boden«, für die Peter Nickel vom Dekanat, Diplom-Geograf Achim Meisinger (Ockstadt) vom Regierungspräsidium, Dr. Maren Heincke von der EKHN, Landwirt und Bodenschätzer Rainer Vogel (Windecken) und der frühere Gießener Uni-Professor Tamas Harrach verantwortlich zeichnen. Außer ihnen gehört noch der frühere Weidigschullehrer Hans Barth (Butzbach-Münster) zum Vorbereitungsteam.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen brechen alle auf zu einem »Erlebnis für alle Sinne«: einem »Bodengang mit vier Bodenführern zu drei Bodenplätzen«. Dort warten schon die Spezialisten auf die Interessierten: Dr. Heincke und Meisinger erzählen, wie die Münzenberger Landschaft und der Boden entstanden sind, Prof. Harrach erläutert das Profil des heimischen Lössbodens (dafür wird ein 1,50 Meter tiefes Loch ausgebaggert) und gibt Hinweise zu landwirtschaftlichen Bodenschutzmaßnahmen, und Agrar-Ingenieur Vogel weiß, warum ein hochwertiger Boden für die Landwirtschaft so wertvoll ist. Mit Kaffee und Kuchen sowie einer Andacht geht der Bodentag am Nachmittag zu Ende.

Zunächst einmal geht es den Kirchenleuten und Experten um den Wetterauer Boden: Wichtig ist allen, dass sparsam mit diesem Gut umgegangen wird. Wohnbau- und Gewerbegebiete sollen in möglichst kleinem Umfang entstehen, und wenn, dann vor allem auf eher unfruchtbaren Böden. Dasselbe gilt für Straßen: Gerade in der Wetterau verschluckten die Ortsumgehungen jede Menge fruchtbaren Boden. Aber damit nicht genug: »Auf jeden Quadratmeter Straße kommen zwei Quadratmeter Ausgleichsfläche«, erläutert Rainer Vogel, und auch hier mahnen er und seine Mitstreiter einen vernünftigen Umgang an: »Da werden für viel Geld auf Ackerböden Streuobstwiesen angelegt, um deren Pflege sich nachher keiner kümmert.« Deshalb wäre das Projektteam hoch erfreut, wenn sich trotz des Wahltags auch die heimischen Politiker die Erläuterungen der Fachleute anhörten und durch den Kopf gehen ließen.

Den Landwirten etwas erzählen will vor allem Professor Harrach. Und er ist sicher, dass die Praktiker dabei auch noch neues erfahren werden: »Die meisten Landwirte kennen nur die oberen 15 Zentimeter des Bodens.« Ein Fortschritt sei zwar, dass man immer mehr vom Pflügen weg komme, doch blieben Bodenerosion und -verdichtung akute Probleme.

Eines weisen alle Beteiligten freilich weit von sich: Mit einer Glorifizierung des »deutschen Bodens« in die Nähe von rechtem Gedankengut zu rücken. Auf die Wetterauer Böden stelle man den Tag nur exemplarisch und wegen der Griffigkeit ab, natürlich gehe es allen um alle Böden der Welt. Bei aller Heimatverbundenheit registriere man selbstredend, dass in vielen Regionen der Welt auf den Boden noch viel weniger Rücksicht genommen werde als hierzulande.

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Artikel vom 23.09.2009 - 16.32 Uhr
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