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Burgfestspiele: Stehende Ovationen für »Pygmalion und Elise«

Artikel vom 17.08.2011 - 10.30 Uhr

Burgfestspiele: Stehende Ovationen für »Pygmalion und Elise«

Münzenberg (hau). Fast wäre die Premiere buchstäblich ins Wasser gefallen. Am Ende aber gab es ausnahmslos strahlende Gesichter und stehende Ovationen von 650 begeisterten Besuchern für die erstaunliche Lebensgeschichte der Butzbacher »Löwenwirtin« Katharina Müller.

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Premiere Münzenburg »Pygmalion und Elise«: 2011, Wasser marsch.
Was der Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg am Freitagabend unter dem sinnträchtigen Namen »Pygmalion und Elise« in die roman(t)ische Palas-Kulisse zauberte, kann getrost als einzigartige Meisterleistung in die heimische Theatergeschichte eingehen.

Ins Tintenfass tröpfelt’s

Eine halbe Stunde vor dem geplanten Spielbeginn schien das »Wetterauer Tintenfass« noch in sintflutartigen Regengüssen unterzugehen. Und doch kämpften sich die Glücklichen bergan, die Premierenkarten ergattert hatten. Mit Regencapes und Decken gewappnet, suchten sie Schutz unter dicken Mauern, um die Tribünen dicht zu bevölkern, sobald der Regen nachließ und schließlich ganz stoppte. Begeistert und dankbar nahmen die Münzenberger Sommertheaterfans den Entschluss auf, das aufwendige Stück mit halbstündiger Verzögerung zu starten. Abgesehen von einer viertelstündigen Nieselregenpause blieb es trocken, und auch fast alle Zuschauer blieben – fasziniert von der spannenden und zauberhaft in Szene gesetzten Geschichte einer außergewöhnlichen Frau aus Münzenberg im ausgehenden 19. Jahrhundert. Eigentlich stehen zwei Frauen im Mittelpunkt der zu 80 Prozent wahren Erzählung um ein einfaches Bauernmädchen und ihren aschenbrödelartigen sozialen Aufstieg. Wie sich die engen freundschaftlichen Bande zwischen Katharina »Elise« Müller und Großherzogin Alice von Hessen und bei Rhein (hervorragend besetzt mit Steffi Kerschner und Corinna Kasten) entwickeln, wie aus der »Landpomeranze« à la »My Fair Lady« eine gepflegte Erscheinung bei Hofe wird, und wie sich beide um die Stellung der Frau in der Gesellschaft verdient machen, greift das auf Zeitdokumenten basierenden Theaterstück aus der Feder von Petra Müller in einer dramaturgisch raffinierten Rückschau auf.

So findet sich das Publikum eingangs mitten im farbenprächtigen Butzbacher Trachtenumzug des Jahres 1906 wieder. Die »alte« Elise Müller (Heidrun Zeiß) und ihre Nichte Marie (Lara Tammer) sitzen plaudernd auf dem Balkon des »Goldenen Löwen«, derweil die leibhaftigen Bürgermeister von Butzbach (Michael Merle) und Münzenberg (Hans Jürgen Zeiß) sowie Professor Wamser alias Freundeskreis-Vorsitzender Uwe Müller die Honoratioren begrüßen. Zur Ermutigung ihrer liebeskummerkranken Nichte erzählt ihr die »Löwenwirtin« ihr Leben. Das Rad der Geschichte wird ins Jahr 1862 zurückgedreht. Unterbrochen von kurzen Balkon-Dialogen im »Jetzt« des Jahres 1906, nimmt es historischem und sozialem Tiefgang zum Trotz seinen geradezu märchenhaft kurzweiligen Lauf.

Passionierte Laienschauspieler

Szenen in der Backstube der Münzenberger Familie Müller, bei Hofe in Darmstadt, im Kriegslazarett oder auf der Frankfurter Galopprennbahn nehmen derart gefangen, dass man Zeit und Raum vergisst. In der kunstvoll beleuchteten Burgkulisse und gewandet in wundervolle Kostüme und Masken, entfalten über 80 passionierte Laiendarsteller ihren unwiderstehlichen Charme zwischen burschikos und hochwohlgeboren. Im Spannungsfeld uriger Dialoge zwischen breitem Platt und gestochen scharfem Hofhochdeutsch bleibt kein Auge trocken.

Eine Kutsche dreht ihre Runden

Wie selbstverständlich dreht sogar eine Kutsche (mit Klaus Hoppe auf dem Bock) ihre Runden durch die Szenerie, und zur allgemeinen Begeisterung vollführen mal mittelalterlich, mal barock gewandete Schönheiten (Magic Colours Griedel) Tänze von choreografischer, athletischer und sinnlicher Schönheit. Dahinter steht auch der Geigenvirtuose Mat Coleman nicht zurück, der die bewegendsten Momente musikalisch inszeniert. Eine Augenweide sind die Trachtentanzgruppe »Rosenstock« und die Trachtengruppe »Gambach«, und nicht zuletzt bieten stramme Offiziere und spielende Kinder dem Auge einen hinreißenden Seelenschmaus.



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Artikel vom 17.08.2011 - 10.30 Uhr
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