Lollar (ti). Gestern Vormittag gab’s gut zwei Stunden kein Durchkommen in Lollar. Am Ortseingang von Gießen her leitete die Feuerwehr den Verkehr ins Gewerbegebiet um, auch im weiteren Verlauf war die Ortsdurchfahrt abgeriegelt. Der Grund: eine zunächst nicht definierbare Flüssigkeit, deren Spur sich von der Tankstelle Fuchs rund 700 Meter bis zum Waldsportplatz zog und von einem dort abgestellten Lastwagen stammte.
Unbekannte Flüssigkeit unter der Lupe: Beamte des Kommissariates für schwere Umweltkriminalität mit dem stellvertretenden Kreisbrandinspektor Markus Leopold auf Spurensuche. (Foto: ti)
Vom Fahrer des leckenden Fahrzeuges fehlte jede Spur. Gegen elf Uhr gab es Entwarnung: Aus einem Kanister war eine Spezialfarbe ausgelaufen. Außerdem hatte der »Klein-Brummi« Kühlerflüssigkeit verloren.
Ein Anwohner hatte das vermeintliche Dilemma gegen 8.45 Uhr entdeckt. Nachdem die Leitstelle um 9.25 Uhr alarmiert worden war, wurden alle Vorkehrungen für einen weitreichenden Ernstfall getroffen: 25 Einsatzkräfte der Lollarer Feuerwehr unter Leitung von Stadtbrandinspektor Marco Kirchner rückten mit dem Gefahrgutzug aus. Aus Gießen kam ein Spezial-Messfahrzeug der Berufsfeuerwehr. Zum Schutz der Wehrleute wurden ein Rettungswagen, der organisatorische Leiter Rettungsdienst sowie ein leitender Notarzt zum Waldsportplatz beordert.
Vor Ort näherte sich zunächst ein Atemschutztrupp mit Messgerät dem »gefährlichen Objekt«. Auffangwannen wurden unter den Lastwagen gestellt, die Flüssigkeit mit Spezialölbinder aufgenommen, das Fahrzeug untersucht. Aus einem 30-Liter-Kanister aus Kunststoff auf der Ladefläche entnahmen die Einsatzkräfte eines weiteren, mit speziellem Spritzschutz ausgestatteten Trupps Proben.
Dr. Günter Lochnitt, Kreis-Gefahrengutfachberater, der stellvertretende Kreis-Brandinspektor Marcus Leopold sowie die Kriminalbeamten des Kommissariates für schwere Umweltkriminalität nahmen die Flüssigkeit unter die Lupe. Ihr Fazit: Spezialfarbe. Konkret: Anstreichfarbe für Heizöl-Keller.
Kurz darauf war auch der zweite Stoff identifiziert: ein Gemisch aus Kühlflüssigkeit und Kühlerdichtungsmittel, das aus dem defekten Motorkühler ausgetreten war. Die für den Fall der Fälle auf dem Parkplatz eingerichtete Spezialreinigungsfläche wurde nicht mehr benötigt, ebenso wie ein spezielles Überfass zum Abtransport von Gefahrgut.
Wer den Lkw mit Berliner Kennzeichen gefahren und auf dem Parkplatz abgestellt hatte, blieb gestern offen. Die Straße wurde über die Strecke von 700 Metern von einer Spezialfirma gereinigt und um 11.45 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben. Die Ermittlungen dauern an.