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Mitgenommen werden von einem Gefühlsstrom

Artikel vom 31.08.2009 - 23.30 Uhr

Mitgenommen werden von einem Gefühlsstrom

Lollar (kdw). Viele Interessenten hatte das Ensemble »Draj« am Sonntagnachmittag nicht auf den Kirchberg gelockt. Doch diejenigen, die eine kühle Kirche dem strahlenden Sonnenschein draußen vorzogen, wurden in der Reihe »Kirchberg Sommer« mit einem außergewöhnlichen Konzerterlebnis belohnt.
Das Ensemble »Draj« mit Ludger Schmidt (Cello), Mauela Weichenrieder (Gesang) und Ralf Kaupenjohann (Akkordeon). 	(Foto: kdw)
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Das Ensemble »Draj« mit Ludger Schmidt (Cello), Mauela Weichenrieder (Gesang) und Ralf Kaupenjohann (Akkordeon). (Foto: kdw)
Sängerin Manuela Weichenrieder, Ludger Schmidt am Cello und Ralf Kaupenjohann am Akkordeon boten ein stimmungsvolles Klezmerkonzert, überschritten zudem fantasievoll und einfallsreich die Grenzen des Genres in ganz erstaunlichen Richtungen. Alles auf professionellem Niveau. Die glockenklare Stimme Weichenrieders, die sagenhaft sensiblen Ein- und Ausklänge, die Schmidt am Cello und Ralf Kaupenjohann am Einzelton-Akkordeon (ohne Bassakkorde) bewerkstelligen, tragen zum enorm differenzierten Gesamteindruck dieses Ensembles bei. Klar war sofort, dass man einem außergewöhnlichen Ereignis beiwohnt.

Weichenrieder, Jahrgang 1974, studierte in Gießen Angewandte Theaterwissenschaften bei Heiner Göbbels und nahm während des Studiums Gesangunterricht. Sie singt in verschiedenen Jazz- und Bossa-Nova-Formationen (Tapet, Browning, Chinchilla Star), ist in der Region wohlbekannt. Schmidt, Jahrgang 1958, studierte an der Musikhochschule Dortmund und verfügt über umfangreiche professionelle Erfahrung in verschiedensten Stilen und Projekten. Kaupenjohann, Jahrgang 1958, studierte Akkordeon an der Musikhochschule Dortmund bei Guido Wagner. »Draj« - sind drei erfahrene Berufsmusiker. Und: »Das hier ist schon unser Hauptding«, meinte Schmidt zur Bedeutung des Ensembles für die Akteure.

Weichenrieder moderiert in heiterer Gelassenheit, erläutert die jiddischen Titel der traditionellen Lieder und den emotionalen Kontext. Ihre helle Stimme klingt nur klar, nie grell, springt in die Kopflagen, bewegt sich in sämtlichen ihrer Register mit einer Leichtigkeit, die man einfach nur als wohltuend und, nicht zuletzt, enorm sensibel wahrnimmt. Dabei fällt auf, dass sie sich mit den Jahren gesanglich stark weiterentwickelt hat, neben höchster Präzision in Artikulation und Verständlichkeit immer wieder minutiöse Details hinzufügt. Willig lässt man sich von diesem klaren Gefühlsstrom mitnehmen, erlebt die gesungenen Geschichten von Liebe, Leid und Kinderfreuden fast mehr als man sie hört.

Getragen von sehr fantasiereichen Arrangements kommt so das Gefühl an erster Stelle. Schwelgerisch und hingebungsvoll hauchen Cello und Akkordeon Flächen in den Raum, vertrackte schnelle Unisono-Takte werden scheinbar mühelos durchflogen, Schmidt verzaubert die Zuhörer mit faszinierenden Flageolett-Passagen, Kaupenjohann lässt das Akkordeon in den tiefsten Tonlagen artikulieren und spielt es schon mal wie eine Orgel, zuweilen an der Grenze zum Tonabriss. Der Abwechslung sind keine Grenzen gesetzt, dazu gehören auch die Soli. Schmidt spielt in einem wilden Solo gleichsam Gitarre (»Jimi Hendrix auf dem Cello«, meinte ein Musiker am Ende des Abends), gleitet souverän durch die Stile und lässt das Instrument förmlich explodieren. Weichenrieder erweist sich in den Improvisationen als voll jazztauglich.

Dabei faszinierte die durchgehende, überragende Geschlossenheit dieser Formation, vielleicht am deutlichsten im Lied über ein Mädchen von der Straße, »Die Gefallene«.Schmidts und Weichenrieders Improvisationen hier waren mit die Beste im Konzert, das generell auf höchstem Niveau stattfand. So aufregend und modern kann Klezmer klingen, ohne dass man die geringsten Abstriche am emotionalen Reichtum oder den traditionellen Strukturen dieser Musik machen muss. Das Publikum war von Anfang an begeistert und spendete sehr herzlichen, großen Applaus.

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Artikel vom 31.08.2009 - 23.30 Uhr
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