Lollar (sha). »Wir gehen seit 25 Jahren einen gemeinsamen Weg«. Mit diesen Worten beschrieb Pfarrer Bernd Apel, Inhaber der Profilstelle »Ökumene« in der Dekanats-AG Grünberg/Hungen/Kirchberg, die Partnerschaft zwischen dem evangelischen Dekanat in Oberhessen und der Diözese Krishna-Godavari im Südosten Indiens. Mit acht Gästen vom Subkontinent, die bis zum 5. September in Deutschland sein werden, besuchte Apel eine Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Gießen/Wetzlar im evangelischen Gemeindehaus Odenhausen.
Freuen sich über das Partnerschaftsjubiläum: Ramani Thabeti und Bernd Apel (3. und 4. von links in der ersten Reihe) mit Christen aus Oberhessen und Indien in Odenhausen. (Foto: sha)
Indien sei der Bundesrepublik Deutschland in Bezug auf die Ökumene bereits einen deutlichen Schritt voraus, stellte Apel die Gäste vom Subkontinent den Sitzungsteilnehmern der ACK Gießen/Wetzlar vor. Nach einer Vorstellungsrunde bei einem gemütlichen Kaffeetrinken beteiligten sich die indischen Christen mit regem Interesse und deutsch-englischer Übersetzungshilfe von Pfarrer Apel an den Gesprächen der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, deren Anliegen es ist, die ökumenischen Aktivitäten zwischen den unterschiedlichen christlichen Konfessionen im heimischen Raum zu verstärken. Ramani Thabeti, Ehefrau des Bischofs der Diözese Krishna-Godavari und Leiterin der indischen Delegation, erläuterte, dass sich im südlichen Teil des Subkontinents die protestantischen Christen aller Strömungen zusammen mit den anglikanischen Christen bereits 1947 zur »Church of South India« (CSI), Kirche Süd-Indiens, zusammengeschlossen hätten.
Thabeti und die anderen sieben indischen Gäste, die alle haupt- oder ehrenamtlich für die CSI tätig sind, übernachten während ihres Aufenthalts in Deutschland seit dem 19. August bis zum 5. September bei Familien im Dekanat. »Kirchenvorstände und einfache Gemeindemitglieder« haben sie aufgenommen, berichtete Apel. Neben mehreren Besichtigungsfahrten, unter anderem nach Köln und Marburg, steht im 25. Jahr des Bestehens dieser deutsch-indischen Partnerschaft auch »harte« Arbeit auf dem Programm: Zusammen mit den Freunden vom Subkontinent wolle der Indienausschuss des Dekanats beraten, wie bei weiter sinkenden Mitgliederzahlen der Kirchen in Deutschland, der Austausch künftig gestaltet werden kann. Obwohl nur etwa drei bis vier Prozent der Inder christlicher Konfession sind - in Deutschland sind es etwa zwei Drittel der Gesellschaft - leben insgesamt 40 Millionen Christen auf dem Subkontinent, davon rund 400 000 in der Diözese Krishna-Godavari, informierte Apel. Thabeti war, wie die anderen Delegationsteilnehmer, beeindruckt von den »großen und prächtigen Kirchen in Deutschland«, verglichen mit den zum Teil sehr kleinen »Hüttenkirchen« in Indien. Allerdings fiel den Gästen aus der Diözese Krishna-Godavari auf, dass die großen deutschen Kirchengebäude während der Gottesdienste oft nur wenig besucht seien. In Indien seien die Gotteshäuser jeden Sonntag voller Gläubiger. Um dies auch in Deutschland zu schaffen, riet Thabeti den Christen in Deutschland, ihre Gottesdienste »attraktiver für junge Menschen« zu machen und gleichzeitig die Eltern zu ermutigen, ihre Kinder regelmäßig in die Kirche zu schicken. Zum Jahreswechsel 2011/2012, wenn Christen aus dem Dekanat in Oberhessen wieder nach Indien reisen, können weitere Tipps gesammelt werden.
Mit einem in »Telugu« - es handelt sich um einen südostindischen Dialekt - gesungenen Kirchenlied, in das die hessischen Christen durch rhythmisches Klatschen einstimmten, klang der Nachmittag aus.