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Guillaume Vincent - hochbegabter Pianist

Artikel vom 26.01.2010 - 10.30 Uhr

Guillaume Vincent - hochbegabter Pianist

Lollar - Es scheint angemessen, den gerade erst 18-jährigen französischen Pianisten Guillaume Vincent (Foto) als Hoffnungsträger zu sehen, gehört er doch gewiss zu den begabtesten Musikern seiner Generation. Dies kann, muss man aber nicht an seinen Auszeichnungen festmachen. Seine künstlerischen Qualitäten sprechen für sich.
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Davon überzeugen konnte man sich am Sonntag beim Kirchbergforum gleich zu Beginn im Kopfsatz von Frédéric Chopins Sonate Nr. 2 b-Moll, den er dynamisch belebt, recht spannungsreich darbot. Den Kontrast zwischen leidenschaftlich erregtem Hauptthema und lyrisch-kantablem Seitengedanken arbeitete er sehr deutlich heraus. Im Detail durchdacht die agogische Flexibilität: Die Tempoverzögerungen waren genau ausgelotet. Zudem achtete Vincent auf wohldosierten Einsatz des rechten Pedals, wodurch das Klangbild brillant, doch nicht verschwommen wirkte.

Vom markant vorgetragenen Scherzo-Rahmenteil hob sich das Trio ab, in dem er intensiv sehnsuchtsvolle Stimmung aufbaute. Ebenso beeindruckte, wie der Pianist dem schlichten Trauermarsch-Mittelteil subtile, regelrecht intime Facetten abgewann. Schwirrend-leicht gelang ihm die virtuose Bewegung im Presto-Finale.

Den hochgesteckten Erwartungen hielt Vincent auch in den weiteren Kompositionen stand. So zauberte er in Maurice Ravels »Jeux d'eau« aus der vielschichtigen Struktur ein farbiges Tongemälde; die illustrativen Elemente ließen sich plastisch nachempfinden, etwa bei Figurationen, die das schillernde, sich im Wasser spiegelnde und brechende Licht zu verklanglichen schienen. In dem Satz »Une barque sur l'ocean« aus Ravels Zyklus »Miroirs« unterstrich Vincent gekonnt die schwebende Klanglichkeit.

Spirituell tiefgründig meisterte er Olivier Messiaens kontemplatives Stück »Première communion de la vierge«. Dank seines erstaunlichen Einfühlungsvermögens erschöpfte sich Sergei Rachmaninows »Etude-Tableau« op. 39 Nr. 1 nicht in oberflächlicher Virtuosität, bekam vielmehr ausgesprochen kernigen, launenhaften Ausdruck. Rachmaninows nachdenkliches »Prélude« op. 32 Nr. 10 gab dem Pianisten Gelegenheit, sich zu sammeln für das gewichtige Schlusswerk: Franz Liszts Sonate h-Moll.

Die ineinander übergehenden Teile der Sonate spielte Vincent mit ausgeklügelter, den großen Bogen spannender formaler Konzeption - von den ruhigen, nach innen gekehrten Passagen bis zu den kraftvoll, doch nicht grob zu Gehör gebrachten Höhepunkten; raffiniert spürte der Pianist den motivisch-thematischen Metamorphosen nach. Für den nicht enden wollenden Beifall in der ausverkauften »Kammer« dankte er mit einer besinnlichen Zugabe. Sascha Jouini

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Artikel vom 26.01.2010 - 10.30 Uhr
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