Lollar (kdw). Musikvergnügen ohne fassbare Grenzen bereiteten Markus Stockhausen (Trompete) und Ferenc Snétberger (Gitarre) am Sonntag ihrem Publikum auf dem Ruttershausener Kirchberg beim Jazz-Forum. Das herausragende Können und das kongeniale Zusammenspiel der Spitzenmusiker ließ die Zuhörer ergriffen und voller Begeisterung zurück.
Markus Stockhausen und Ferenc Snétberger am Sonntag auf dem Kirchberg.
Stockhausen, Jahrgang 1957, studierte an der Kölner Musikhochschule Klavier und Trompete, arbeitete jahrzehntelang mit seinem berühmten Vater Karlheinz zusammen. Zudem machte er sich als Trompetensolist, Improvisator und Komponist in Jazz, Klassik und zeitgenössischer Musik einen Namen, gastierte mit Werken seines Vaters in den größten Opernhäusern der Welt. Er ist in zahlreichen Improvisations- und Jazzformationen aktiv. Eine davon besteht im Duo mit dem ungarischen Gitarristen Ferenc Snétberger, ebenfalls Jahrgang 1957. Der studierte klassische Musik und Jazzgitarre, arbeitete in zahlreichen Projekten mit, schrieb Musik für Film und Theater, veröffentliche diverse CDs.
Von den Meriten der beiden Männer spürt man nichts, wenn Stockhausen freundlich und bescheiden erklärt, dass die Komposition »Landscapes«, mit der sie beginnen, eine Arbeit für Snétbergers 1995er CD »For my people« war. »Damals haben wir bemerkt, dass wir gemeinsam unglaublich gut improvisieren können«, sagt Stockhausen.
Man spürt das bei jedem Titel; die Kompositionen sind je zur Hälfte von beiden Akteuren. Sobald Stockhausen beginnt, bemerkt man eine unerhörte Klarheit, größte Präzision des Ansatzes und vor allem eine überaus ansprechende melodische Schönheit - egal ob er Piccolotrompete spielt, Flügelhorn oder Trompete. Der Hall in der Kirche ist durch 70 Besucher abgedämpft, der Klang hervorragend. Die sanfte Dynamik und entspannte Dramaturgie der ersten Titel nehmen die Zuhörer sogleich gefangen, hier herrscht ein überwiegend klassischer Duktus, obgleich keine Klassik gespielt wird. Eher hört man eine souverän über den Kategorien schwebende, die Gattungen mühelos durchquerende, außergewöhnliche musikalische Stimme.
Souverän wiederum, wie Snétberger in einem Vorspiel, einem sanften Tongesprudel, die spätere Begleitung vorwegnimmt. In »Verschiedenes« zeigt er später eine grandiose vielstimmige Dramaturgie, einen spannenden Aufbau und eine hinreißende Soloarbeit.
Bevor man wahrnimmt, welche Gattungen und Spielweisen vorkommen - und es sind sehr viele -, bemerkt man die universelle Qualität des Gitarrenbeitrags. Snétberger spielt natürlich passende, wenngleich nicht immer die erwarteten Harmonien, liefert ein Grundgerüst. Zugleich verändert er unablässig Details, kombiniert schräg, gipsy- oder jazzartig, lässt Brazil-Elemente einfließen. Das Stilrepertoire ist scheinbar endlos. Nicht selten pausiert Stockhausen, hört seinem Partner zu, wirft Marimbaklänge ein. Es herrscht große Freiheit.
Ein ganz besonderes Konzert, dessen Qualität sich einerseits in einem Zusammenspiel manifestiert, in dem völlig entspannt und zugleich höchst konzentriert und mit größtem Respekt miteinander umgegangen wird. Und alles scheint, als stünde nicht die geringste Anstregung dahinter, bis zur bezaubernden Zugabe »Rose«. Dann aber hebt der Applaus an, lang. (Foto: kdw)