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Nicht kostbar, aber sehr interessant

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Artikel vom 27.02.2016 - 10.49 Uhr

Nicht kostbar, aber sehr interessant

Linden (pm). Der Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Linden, Helmut Faber, und der Schriftführer des Vereins, Hans Ulrich Heymann, bemühen sich derzeit um eine neue Beschilderung der Keller unter dem Kirchengelände in Großen-Linden.

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Der Eingang zum Hüttenberger Weinkeller unter dem ehemaligen Großen-Lindener Rathaus und heutigen Evangelischen Gemeindehaus. (Foto: pm)
© pv
Diese Keller wurden vor unbekannter Zeit angelegt und dienten bis im vergangenen Jahrhundert den Landwirten der umliegenden Bauernhöfe als Winterlager für Kartoffeln, Futterüben und dergleichen. Zur 1200-Jahrfeier von Großen-Linden erhielten die Keller eine Beschilderung auf Holztafeln, aus der die Zugehörigkeit eines Keller zum jeweiligen Bauernhof abgelesen werden konnte, wie beispielsweise »Pirrhannese Keller«, »Schreinerlepse« oder »Lehne Keller«.

Am vergangen Montag besichtigten Faber und Heymann diesen Bereich und entdeckten, dass zwei Türen der Keller an der Kirchmauer aufgebrochen worden waren – vom sogenannten »Scholtese Keller«, auch »Hüttenberger Weinkeller« genannt. So genannt, weil von 1396 bis 1703 die Landschaft »Hüttenberg«, deren Hauptort teilweise Großen-Linden war, unter der gemeinsamen Regierung des Landgrafen von Hessen und des Grafen von Nassau-Saarbrücken stand. Neben diversen Steuern in dieser Zeit, forderte der Landgraf von jedem Fuder Wein, dass in den »Hüttenberg« eingeführt wurde, einen, Gulden.

Außerdem machte er ein gutes Geschäft mit seinen eigenen Weinen, die gewisse Ortschaften für ihn verkaufen mussten. Großen-Linden hatte in seinem Weinkeller vier Fuder (960 Liter) dieses landgräflichen Weines auszuschenken. Aber die Großen-Lindener hatten eine Zunge, die an diesem landgräflichen Weine keinen Gefallen fand. Sie waren rechte »Schnäuber«. Darum machten sie einmal, als der Landwein ganz besonders schlecht ausgefallen war, eine Eingabe und boten dem Landgrafen 100 Gulden, wenn sie seinen Wein nicht ausschenken brauchten. Ihr Landesherr war es zufrieden, und so sandten die Großen-Lindener zwei Weinmeister in den Rheingau, besseren Wein zu holen und hier einzulagern. Der Keller ist mit 70 Quadratmetern der größte und hat Sommer wie Winter nahezu konstant neun Grad Celsius. Über diesen Keller wurde kürzlich in der Gießener Allgemeinen berichtet, da Naturkundler dort das Vorkommen des »Braunen Langohrs«, einer Fledermausart, entdeckt hatten.

Während beim Weinkeller lediglich das Vorhängeschloss aufgebrochen und entwendet und der »Schäller« (Türriegel) beschädigt wurde, ist vom Keller, der sich direkt neben der Mauerbeschädigung befindet, das Tor in größere Mitleidenschaft gezogen worden. Die beiden Heimatkundler möchten daher darauf hinweisen, dass in diesen Kellern keine historisch wertvollen Gegenstände und schon gar keine kostbaren Werte untergebracht sind. Lediglich haben die heutigen Nutzer Pflanzen zum Überwintern untergestellt oder aber geerntete Kartoffeln kühl gelagert.

Wer dennoch einmal einen Blick in die Keller werfen möchte, müsse sich nicht mühen und deren Tore aufbrechen. Vielmehr könne man sich der Kellerführungen beim diesjährigen Marienmarkt am Sonntag, 20. März, Treffpunkt 11.15 Uhr, vor der Evangelischen Kirche Großen-Linden, anschließen und so die Keller ansehen und weitere Informationen erhalten.

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Artikel vom 27.02.2016 - 10.49 Uhr
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