Joachim Gauck begeisterte Zuhörer beim SPD-Empfang
Zur Wahl seines Themas meinte der gebürtige Rostocker, die meisten Dinge, mit denen sich die Nation beschäftige, hätten ihn nicht interessiert, denn sie hätten mit Angst zu tun. »Wir Deutsche können uns schnell aufregen, das ist nicht immer gut.« Angst sei ein schlechter Ratgeber, zudem möge er die Wellen von Angst nicht, die durchs Land gehen – und Entscheidungen der Politik bestimmten. Als Beispiele nannte der Ex-Stasi-Beauftragte die Atomkatastrophe von Fukushima, Schweine- und Vogelgrippe, BSE. Es sei verlockend, Ängste aufzunehmen und daraus Politik zu machen. Er erwarte vielmehr »solide Sachdebatten«, nach denen Entscheidungen gefällt werden sollten. Oft habe sich die Angst verzogen, bis Politiker Gesetze gemacht hätten, die die Ursachen bekämpfen sollten. Angst sei für ihn auch deshalb kein Thema, weil es Deutschland so gut gehe, wie noch nie in seiner Geschichte. »Wir hatten 60 Jahre keinen Krieg und immer wachsenden Wohlstand.« Die Nation pflege dagegen die »Kultur des gediegenen Verdrusses«, so Gauck, denn »wir fühlen uns erst wohl, wenn wir uns unwohl fühlen.«
Joachim Gauck
Dann widmete er sich seinem »Lebensthema Freiheit«, erzählte – teils in Anekdoten – was es bedeute, diese zu entdecken, appellierte daran, sie auszugestalten, sprach davon, wie glücklich es macht, Aufgaben zu haben. Gauck führte vieles aus, was hier in der nötigen Kürze nicht dargestellt werden kann. Nur eines noch: »Ich mag es nicht, wenn wir so tun, Engagement gibt es nur außerhalb der Politik.« Politiker bildeten die Gesellschaft ab, »sie kommen aus unserer Mitte«, das sei gut so, denn »wir wollen die Herrschaft aus dieser Mitte des Volkes, nicht die Herrschaft einer Elite«. Schließlich lobte er die SPD dafür, das durch Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Wohlstand geprägte heutige Europa mitgestaltet zu haben – und wünschte dann allen Anwesenden »zum Neuen Jahr das Beste«.
Nach seiner Ansprache signierte Gauck sein Buch »Winter im Sommer, Frühling im Herbst«. Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Lindener SPD-Vorsitzende Dr. Steffen Krieb die zahlreichen Besucher und viele Ehrengäste begrüßt. Zudem sorgten die Gruppe »BlackOut« der TSG Leihgestern mit dem Showtanz »Another World« sowie Musiker der Rock-Pop-Jazz-Akademie für einen würdigen Rahmen.