Nachrichten Web
Sie sind hier: Startseite » Kreis » Städte und Gemeinden » Linden »

Joachim Gauck begeisterte Zuhörer beim SPD-Empfang

Artikel vom 27.01.2012 - 09.09 Uhr

Joachim Gauck begeisterte Zuhörer beim SPD-Empfang

Linden (süd). »Die Verantwortung ist die Freiheit der Erwachsenen. Wir sollten uns mit Herz und Verstand für ein Ziel engagieren, ob in der Politik oder in anderen Bereichen.« Dr. Joachim Gauck hielt am Donnerstagabend in der Stadthalle in Linden ein flammendes Plädoyer für die Freiheit, für die freiheitliche Gesellschaftsordnung.

agl_gauck_linden_270112_4c_2
Lupe - Artikelbild vergrössern
Smalltalk beim Prosecco: (von links) Matthias Körner, Joachim Gauck, Landrätin Anita Schneider und Thorsten Schäfer-Gümbel. (Fotos: agl)
»Ich predige die Demokratie, obwohl ich kein Pastor mehr bin.« Gauck steht zwar nicht mehr im kirchlichen Dienst, zeigte sich dennoch als ein Künstler präziser, klarer Worte. Der 72-Jährige war Festredner beim Neujahrsempfang des SPD-Unterbezirks Gießen. Über 900 Interessierte waren gekommen.

Das Thema von Gauck lautete »Freiheit als Verantwortung«. Dazu sprach er eine Stunde lang, ohne – um es vorwegzunehmen – auch nur ansatzweise darauf einzugehen, dass er seit Wochen wieder als möglicher nächster Bundespräsident gehandelt wird, seit der Amtsinhaber Christian Wulff im Kreuzfeuer der Kritik steht. Die davon sprachen, waren andere. Der SPD-Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel aus Birklar beispielsweise, oder sein Nachfolger als Chef des gastgebenden Unterbezirks, Matthias Körner. Schäfer-Gümbel erzählte davon, wie er Gauck kennenlernte, als dieser 2010 gemeinsamer Bundespräsidenten-Kandidat von SPD und Grünen war, Klarheit und Orientierung des Pfarrers und Publizisten hätten ihn gefesselt. Gauck rege dazu an nachzudenken, er bewege nach wie vor die Menschen. Als später am Abend UB-Chef Körner bei der Verabschiedung des Redners auch das Wort Bundespräsident in den Mund nahm, ging Gauck dazwischen, haute mit der Hand aufs Rednerpult – und sagte bestimmt: »Jetzt ist gut!«

 

»Kultur des gediegenen Verdrusses«

 

Gauck, am Dienstag dieser Woche 72 Jahre alt geworden, sprach zu den vielen Interessierten – nicht nur Sozialdemokraten saßen im Saal, auch Vertreter anderer Parteien waren dabei – in freier Rede, kurzweilig, pointiert, in klarer Sprache, mit Tiefsinn und immer wieder humorvoll. In manchen Passagen seiner Ansprache war es mucksmäuschenstill in der Stadthalle, immer wieder wurde der ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagen-Behörde, die dann auch »Gauck-Behörde« genannt wurde, von Applaus unterbrochen, am Ende spendeten ihm die Besucher stehend langanhaltenden Beifall.

Gauck nahm die Zuhörer mit in das geteilte Deutschland der Nachkriegszeit, in die DDR, wo er aufgewachsen ist, in die Zeit der Wende, sprach von aufgeklärten 68ern, zu denen er bestimmt auch gehört hätte, erzählte von seiner Familie, von Freunden und Bekannten, um klar zu machen, was für ihn Freiheit ist, was sie ihm bedeutet, warum er sie liebt. »Unsere freiheitliche Gesellschaftsordnung sollte uns am Herzen liegen«, appellierte der 72-Jährige. Aber diese von ihm so geschätzte Freiheit bedeute Verantwortung, die die Menschen übernehmen müssten, ob im Privaten, als Bürger oder im Berufsleben.

Angefangen hatte der Festredner mit einem ganz anderen Thema: Mit Linden. Bis vor kurzem habe er nicht einmal gewusst, dass es dieses Linden gibt. »Nun ist es mir eine Freude, Ihnen hier zu begegnen.« Und: Er sage nicht immer, was die SPD hören möchte, meinte er in Richtung seiner Gastgeber. Er sei ein »linker, liberaler Konservativer«.



Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 27.01.2012 - 09.09 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang