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In Linden drehte sich alles um Apfelwein

Artikel vom 13.03.2010 - 12.00 Uhr

In Linden drehte sich alles um Apfelwein

Linden (sc). »Die gute Resonanz zeigt, dass wir das richtige Thema angepackt haben«, freute sich Klaus Döring, Vorsitzender des Vereins Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute im Landkreis Gießen. Denn mehr als 80 Apfelweininteressierte waren am Donnerstag Abend zum Apfelweinseminar des Keltermeisters Jörg Stier aus Maintal-Bischoffsheim gekommen. Eine Fortsetzung des Interesses, das viele der Anwesenden schon durch ihre Teilnahme am Apfelweinwettbewerb des Vereins im letzten Jahr gezeigt haben. Denn dort sei der Wunsch nach einer solchen Veranstaltung geäußert worden, erzählte Döring bei dem Seminar.
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Und er betonte, um die Streuobstwiesen zu erhalten - was das Vereinsziel der Apfelwein- und Obstwiesenroute ist - sei die Förderung des Selbstkelterns ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit. Er habe Kniffe für die »alte Hasen«, wie man es vielleicht besser macht und Anleitung für die Jungen, kündigte der Vorsitzende den Referenten an.

Jörg Stier, der aus einer Apfelwein-Familie stammt, leitet seit über 20 Jahren die Familien-Kelterei. Er stellte auch seinen Betrieb vor, in dem er Saft, Wein, Cidre und Apfel-Schaumwein herstellt. »Mit dieser Menge liege ich knapp über dem Eigenbedarf«, scherzte er.

Ganz entsprechend seinem Vortragstitel »Vom Baum in den Bembel« führte Stier fachkundig und detailliert aus, wie der Apfelwein entsteht. Dies immer gewürzt mit viel Humor und deutlich spürbarer Freude am Handwerk. »Für wen Apfelwein nur ein vergorenes Getränk ist, der hat Apfelwein nicht verstanden«, stellte der überzeugte Hesse klar.

Und so ergänzte er seine theoretischen Ausführungen mit Apfelwein-Proben aus seiner Kelterei. Vier verschiedenen Proben gaben einen kleinen geschmacklichen Einblick in die Vielfalt des seiner Meinung nach oft verkannten Getränks. Gleich zu Beginn kredenzte er den herben »Apfelwein nach althessischer Landesart«, der eine jahrhundertealte gewachsene Handwerkstradition repräsentiere und riet: »Man achte auf den Nachhall!« Nicht nur das Waschen der Äpfel, Zermahlen in grobe Stücke und anschließende langsame Anpressen stehe am Anfang des Apfelwein-Prozesses. Auch die Auswahl der Äpfel sei natürlich mit ausschlaggebend für den späteren Geschmack des Apfelweins. Dann die Lagerung bei konstanter Temperatur in lebensmitteltauglichen Behältern, die nicht vollständig gefüllt werden. »Sauberkeit, Sauberkeit, Sauberkeit« predigte er den Hobbykelterern, weshalb während der gesamten Herstellung das Reinigen mit geeigneten Mitteln nie vernachlässigt werden dürfe. »Das ist ja eine echte Wissenschaft«, kommentierte eine Zuhörerin, als Stier detailreich erläuterte, wie Apfelwein traditionell hergestellt werde.

Er empfehle jedoch die Verwendung von Hefe und sei bei sparsamer und gezielter Anwendung auch für den Einsatz von Schwefel - schließlich sei der im Apfelwein sowieso enthalten. Gerne beantwortete Stier die zahlreichen Nachfragen vieler Selbstkelterer - darunter auch einige Frauen. Bei allen Tipps und Anleitungen stellte Stier aber klar: »Wenn Ihnen schmeckt, was Sie keltern, brauchen Sie auch nichts zu ändern«. Ihm liege vielmehr am Herzen, einen Anstoß zu geben für das Handwerk und das Gefühl, das den Apfelwein ausmache, zu vermitteln.



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Artikel vom 13.03.2010 - 12.00 Uhr
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