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Erst Knast, dann Therapie: Drogenhändler verurteilt

Artikel vom 22.05.2009 - 23.00 Uhr

Erst Knast, dann Therapie: Drogenhändler verurteilt

Gießen/Linden (ti). Er kam als Fünfjähriger aus Polen nach Deutschland, verbrachte in Hüttenberg und Langgöns seine Kindheit. Die verlief gut, wie der 24-jährige Angeklagte gestern vor der Zweiten Großen Strafkammer des Gießener Landgerichtes berichtete. Doch die Eltern trennten sich, und irgendwann wollte der Vater eine neue Familie gründen.
»Das habe ich irgendwie nicht verkraftet«, meinte Josef M., und von da an ging es mit ihm bergab. Er konsumierte Drogen und stieg zwecks Finanzierung in den Handel mit Marihuana und Amphetaminen ein. Gestern hatte er sich deswegen vor Gericht zu verantworten und wurde verurteilt. Drei Jahre und einen Monat Freiheitsentzug verhängte die Kammer und ordnete die Unterbringung in einen Entziehungsanstalt an. Für den Angeklagten bedeutet dies: Zwölf Monate davon – abzüglich der bereits in Untersuchungshaft verbrachten acht Monate – muss er verbüßen. Anschließend beginnt, also in vier Monaten, die Therapie.

In insgesamt 41 Fällen hatte der 24-Jährige zwischen Januar und September 2008 unerlaubt mit Drogen gehandelt, zum Teil in größeren Mengen. Insgesamt brachte er rund 8,5 Kilogramm Amphetamine und etwa vier Kilogramm Marihuana in Umlauf.

Letzteres verkaufte er einmal pro Woche in 100-Gramm-Einheiten an einen Kumpel aus Holzheim, den er bereits aus seiner frühen Jugend kannte. Dieser wiederum beschaffte dem Angeklagten die Amphetamine, die der 24-Jährige an einen »Kunden«, dummerweise eine Vertrauensperson der Polizei, weitergab. Als »schräge Wechselwirkungsbekanntschaft« bezeichnete Staatsanwalt Andreas May die Beziehung zwischen den beiden Männern.

Drei Fälle hatte May im Zusammenhang mit der Vertrauensperson angeklagt. In allen drei Fällen hatte der zuletzt in Rechtenbach wohnhafte Täter den Stoff mit Milchpulver oder Kreatin auf das Doppelte gestreckt: 250, 900 und 3500 Gramm wurden in Holzheim besorgt und am Großen-Lindener Bahnhof übergeben – insgesamt rund 8,5 Kilogramm. Der Lohn für die Ware konnte sich sehen lassen: Insgesamt 8000 Euro hatte Josef M. bei den ersten beiden Geschäften bekommen, der dritte Großauftrag sollte ihm rund 22 000 Euro bringen – Geld, mit dem der Angeklagte seine Schulden bezahlen wollte, die im Laufe der Jahre durch den Drogenkonsum aufgelaufen waren. Doch dazu kam es nicht. Die Polizei griff zu und nahm ihn am 28. September 2008 fest.

Seine »tragisch frühe Drogenkarriere«, wie es der Vorsitzende Richter Jost Holtzmann in der Urteilsbegründung bezeichnete, begann Josef M. bereits im zarten Alter von 13 Jahren. Die Sucht hatte sein Leben zu weiten Teilen geprägt. Zunächst konsumierte er an den Wochenenden Cannabis, mit 15 Jahren griff er täglich zum Gras. Doch das genügte ihm nicht, er begann härtere, chemischen Drogen wie Speed und Ecstasy zu nehmen – anfangs wieder nur am Wochenende, mit 18 Jahren täglich. Teilweise griff er auch zu Kokain. Dann kamen Halluzinogene wie Pilze und LSD-Trips dazu. Kurzum: Er war ständig drauf. Und das kostete Geld. Sodass er – mittlerweile Student des Bachelor-Studiengangs »Außerschulische Bildung« – ins große Drogengeschäft einstieg. »Der Versuchung haben sie nicht widerstehen können«, so Holtzmann.

Mit dem Urteil blieb die Kammer unter der Forderung des Staatsanwaltes, der für den bereits wegen unerlaubten Drogenhandels vorbestraften Josef M. insgesamt dreieinhalb Jahre beantragt hatte. »Sie haben mehr als nur einen Hang zu Drogen«, meinte May, der sich auch für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt aussprach.

Der Verteidiger hatte für eine »richtige und vernünftige Lösung« plädiert, die in seinen Augen eine zweijährige Bewährungsstrafe nicht übersteigen sollte. Denn: Die großen Geschäfte hätte es in seinen Augen nicht gegeben, wenn die Vertrauensperson der Polizei nicht darauf gedrängt hätte.

Die Kammer tat sich schwer, entschied aber anders.

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Artikel vom 22.05.2009 - 23.00 Uhr
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