Linden (gbp). Die Bibel erzählt viel vom Weinanbau und vom Wein, von Ackerbau, Getreide, Brot und Früchten. Wie lebten die Menschen in der Region Palästina acht Jahrhunderte vor Christus, was bauten sie an, was aßen sie?
Dr. Wolfgang Zwickel hatte zu seinem Vortrag im Garten von Familie Hansmann auch ein Lotosblatt mitgebracht. Links Initiatorin der Veranstaltungsreihe, Julia Held. (Foto: gbp)
Unerschöpflich ist der Schatz an Geschichten und Fakten des Mainzer Alttestamentlers und Archäologen Dr. Wolfgang Zwickel. Sein überaus lebendiger Vortrag unter dem Titel »Ackerbau und Landwirtschaft in der Bibel« war die mittlerweile dritte Veranstaltung der neuen Reihe der evangelischen Kirchengemeinde Großen-Linden »bin im Garten«. Die Veranstaltungen in privaten Großen-Lindener Gärten findeen die an sechs aufeinanderfolgenden Mittwochabenden statt.
Über 50 Gäste konnten Dorothee und Walter Hansmann zu dem Vortrag in ihrem liebevoll geschmückten Garten begrüßen. Wie sahen Ackerbau und Landwirtschaft in der Region Palästina um das achte Jahrhundert vor Christus aus? Die Entwicklung sei in drei Stufen verlaufen, die jeweils durch einschneidende Veränderungen ausgelöst wurden, berichtete der Alttestamentler und Archäologe.
Die erste Stufe begann vor rund 10000 Jahren. Bis dahin hatten die Menschen als Jäger und Sammler in Kleinfamilien in Höhlen gelebt. Das Klima wurde wärmer und die Menschen verließen ihre Höhlen, begannen Behausungen zu bauen, in Großfamilien zusammenzuleben und gezielt Pflanzen anzubauen, um sich zu ernähren. Siedlungen entstanden, eine der ersten war Jericho, die zuweilen als älteste Stadt der Welt gilt zu dieser Zeit etwa 300 Einwohner zählte.
Vor etwa 5000 Jahren, also rund 3000 vor Christus, wurde innerhalb recht kurzer Zeit der nächste Entwicklungsschub ausgelöst: Die Menschen lernten, Wein zu kultivieren, erfanden den Pflug, der sich bis heute nicht wesentlich verändert hat, und domestizierte den Esel als Lasttier, den »VW-Käfer des Vorderen Orients«. Weil mit dem Esel der Transport möglich war, konnte man nun Getreide, Früchte und Gemüse dort anbauen, wo sie am besten gedeihen; man begann sich zu spezialisieren.
Diese Entwicklung habe hier bei uns 2000 bis 3000 Jahre später eingesetzt, so Dr. Zwickel. »Hätte man einen Bauer aus Palästina aus dem Jahr 2000 vor Christus nach Deutschland um 1500 nach Christus versetzt - der wäre nach zwei Tagen vollkommen klargekommen«. Fünftausend Jahre habe sich nichts Wesentliches verändert, bis es mit der Industriellen Revolution den nächsten Schub gab, der grundlegende Veränderungen auslöste. Aus Städten, die zuvor um die 2500 Einwohner zählten - Großen-Linden hatte damals etwa 500 - wurden innerhalb weniger Jahre die Millionenstädte von heute.