Gießen/Lich (gbp). Aufgrund zunehmender Erderwärmung gilt das Erzeugen von Raumwärme auf biologischer Basis als wichtiges Instrument, den steigenden Kohlenstoffdioxyd-Werten der Atmosphäre entgegenzuwirken. Laut Beschluss der Landesregierung soll der Anteil aller regenerativen Energien in Hessen bis 2015 auf 15 Prozent gesteigert werden.
Kreisbeigeordneter Siegfried Fricke beim (symbolischen) Anfeuern der neuen »Holzwürmchen«-Heizung in Lich.
In diesem Zusammenhang entstanden fünf »BioRegio Holz«-Einheiten, regional arbeitende Bündnisse mit dem Ziel, diese Forderungen im Segment der biogenen Brennstoffe umzusetzen. Eines davon ist die »BioRegio Holz Lahn«, dem die Kreise Gießen, Lahn-Dill und Marburg-Biedenkopf sowie die Stadt Marburg angehören. Die Gießener haben derzeit vier Projekte auf der Agenda. Eines davon in der Kreis-Volkshochschule in Lich. Am Dienstag wurde dort die seit Oktober betriebene Holzpelletsanlage offiziell in Betrieb genommen. KVHS-Leiterin Dr. Mariaenne Ebsen-Lenz hieß als Hausherrin ein kompetentes Publikum willkommen.
Der Umstieg von fossilen auf erneuerbare Rohstoffe zur Wärmeversorgung ergänze praktisch den Themenschwerpunkt Ökologie der KVHS vor dem Hintergrund der UN-Dekade »Bildung für nachhaltige Entwicklung«, unterstrich sie.
Die Themen Nachhaltigkeit und Wertschöpfung beleuchtete Kreisbeigeordneter Siegfried Fricke. Hinsichtlich der Wertschöpfung und der Wirtschaftlichkeit betonte er die Notwendigkeit kurzer Transportwege und der Regionalität: »Hier sind Pellets ein guter Weg.«
Bürgermeister Kurt Hillgärtner aus Rabenau als Vorsitzender des Regionalvereins »Region Gießener Land« sagte, die Licher Holzpellet-Feuerungsanlage sei eine der fünf größeren kommunale Anlagen, die der Verein innerhalb der anderthalb Jahre seines Bestehens habe fördern können mit rund 570000 Euro.
Mit einem »symbolischen Streichholz« setze Fricke die neue Anlage in Gang: Eine 100-kW-Pelletheizung, die 80 bis 90 Prozent der Jahresmenge an Wärme erzeugt. Zusätzlich steht ein 70-kW-Gasheizkessel zur Verfügung. Der Speicher der KVHS fasst 30 Tonnen Pellets, was dem Heizwert von 15 000 Litern Heizöl entspricht; zwei- bis dreimal jährlich muss der Speicher nachgefüllt werden.
Unter den Gästen waren der langjähriger Vorsitzende des Bauernverbandes, Heinz Becker aus Muschenheim, und die Vorsitzende des Bezirkslandfrauenvereins, Christel Gontrum aus Hungen, beide auch Vorstandsmitglieder in der »Region Gießener Land«.
Im Anschluss informierte Rita Kotschenreuther, Bioenergie-Beraterin vom Forstamt Wettenberg, über »das richtige Heizen mit Holz«. Eine Heizungsanlage müsse »richtig dimensioniert sein«, um effektiv zu arbeiten. Holz sei bei vollständiger Verbrennung ein »sauberer Brennstoff«. Bedienungsfehler seien das eigentliche Problem: Sie machten den besten Ofen zur Dreckschleuder.
Pellets aus dem Westerwald garantieren eine Wertschöpfung immerhalb der Region