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Zwei leidenschaftliche Sammler in Sachen »Rotes Kreuz«

Artikel vom 22.07.2010 - 14.00 Uhr

Zwei leidenschaftliche Sammler in Sachen »Rotes Kreuz«

Lich (mlu). Dietrich Holle aus Lich und Lucien Guillaume aus Brüssel eint eine Leidenschaft: das Sammeln von Dingen rund ums Rote Kreuz.
Zwei Männer, eine Leidenschaft: Dietrich Holle und Lucien Guillaume sind passionierte Rotkreuzler.
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Zwei Männer, eine Leidenschaft: Dietrich Holle und Lucien Guillaume sind passionierte Rotkreuzler.
»Tja also, Dietrich hat so eine Blutspendespritze«, sagt Lucien Guillaume im belgisch-französischen Akzent. »Ein Gerät zur Blutdirektübertragung aus den 50-er Jahren«, präzisiert Dietrich Holle, aber auch diese Formulierung scheint die Sache nicht ganz zu treffen. »Nein, das ist von die Jahr 1930, da bin ich mir sicher«, korrigiert der Gast aus Brüssel bestimmt, relativiert seinen Einwand aber noch einmal: »Zumindest die System ist von der 30; mag ja sein, dass deine Gerät später produziert wurde.« Die beiden Männer verzichten darauf, ihren Disput fortzusetzen, denn eigentlich wollte Lucien nur sagen, dass sich besagtes Objekt in seiner Sammlung ebenfalls gut ausnehmen würde.

Seit 20 Jahren halten sich die beiden Männer nunmehr schon die Freundschaft, der Licher Dietrich Holle und Lucien Guillaume aus Brüssel. Kennen gelernt haben sie sich auf einer Ausstellung zur Geschichte der Bluttransfusion in Büdingen anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des hiesigen Roten Kreuzes, zu der Lucien als Ehrengast eingeladen worden war. Damals entdeckten sie ihre gemeinsame Leidenschaft: das Sammeln von sämtlichen Dingen, die irgendwie mit dem Roten Kreuz in Verbindung stehen. Seitdem besuchen sie sich regelmäßig, nehmen an Ausstellungen teil oder veranstalten kleine Insider-Börsen. Zu ihrem etwas ausgefallenen Hobby kamen sie von Berufs wegen.

Holle war seinerzeit Gemeindekrankenpfleger. Bei einer Altkleidersammlung in Lich stieß er auf eine Anstecknadel vom Roten Kreuz. Kurz darauf besuchte er eine Ausstellung über Blutspendennadeln des Blutspendendienst Frankfurt in Heuchelheim. »Da dachte ich: was die können, das kannst du auch.« Wie bei allen Sammlern hat seine Leidenschaft seither eine Eigendynamik entwickelt. Mittlerweile besitzt er etwa 700 Anstecknadeln, Objekte rund ums Blutspenden bilden jedoch den Schwerpunkt seiner Sammlung. Im Grunde sammelt er aber »alles, was ein rotes Kreuz oder einen roten Halbmond aufweist.« (Den Halbmond verwenden die islamisch geprägten Staaten analog zum Symbol des Kreuzes). Seine erste Ausstellung machte der gebürtige Siegerländer 1976 im Licher Bürgerhaus, und seitdem war er immer wieder mit Ausstellungen über das Rote Kreuz in der Region vertreten, zuletzt mit einer Rundschau zu Florence Nightingale im Licher Heimatmuseum.

Seinen Fundus verstaut er in einem kleinen Zimmer, das aus allen Fugen zu treten scheint. Da finden sich historische Dienstkleidungen, Wimpel, Fahnen, Aufkleber, Briefmarken, Plakate, medizinische Bedarfsartikel, Plüschtiere und auch allerhand Nippes. Alles vom Roten Kreuz. »Wenn ich genügend Geld hätte, würde ich gerne ein Blutspendenmuseum eröffnen«, sagt er mit Blick auf sein kurioses Kabinett, das nicht gerade repräsentativ hergerichtet ist. Zu seinen Schätzchen zählt das Modell eines Feldlazaretts aus dem Zweiten Weltkrieg. Liebevoll hat er die naturgetreu nachgebildeten Elastolinfiguren in einer Vitrine arrangiert, die sich beleuchten lässt. Außerdem eine Fieseler Fi 156, wegen des hochbeinigen Fahrgestells auch Fieseler Storch genannt. Aufgehängt an unsichtbaren Fäden, schwebt das kleine Modellflugzeug regungslos unter der Lampe in der Mitte des Raumes, in dem sich keine drei Schritte machen lassen, ohne dass man einen Karton oder sonst was aus dem Wege zu räumen hätte.

Wie müsste man da staunen, wenn man erst zu Gesicht bekäme, was Guillaume im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat und wovon er in diesem Augenblick nur berichten kann. Bis ins fünfte Glied sind seine Vorfahren als Ärzte und Krankenpfleger der Medizin und der Pharmazie verbunden, und viele Objekte stammen daher aus Familienbesitz. »Ich habe Instrumente von meine Urgroßvater in die Sammlung. Auch eine Babyflasche aus der römische Zeit, die er auf die Ardennen, wo wir herstammen, gefunden hat.« Seine thematisch breiter angelegte Sammlung ist so umfangreich, dass er sie an verschiedenen Orten zuhause und in der Universität aufbewahrt, wo er, der einstige Rettungsassistent, inzwischen als Privatdozent sein ehemaliges Fach unterrichtet. Da gibt es historische Rollstühle, altmodische Krücken, antiquierte OP-Lampen, pharmazeutische Gefäße aus den unterschiedlichsten Epochen – »Ich könnte eine komplette und funktionstüchtige OP von die Jahr 1900 aufbauen, mit Kleidung, Instrumente, Geräte und auch eine chirurgische Handbuch aus derselbe Zeit. Oder eine historische Apotheke oder eine Feldlazarett...ich habe auch eine vollständige Rote-Kreuz-Koffer aus die Erste Weltkrieg, das fasst eine Kubikmeter, sehr rar.«

Ein echter Schatz: Fahnensortiment von 1935



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Artikel vom 22.07.2010 - 14.00 Uhr
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