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13.03.2010 - 02.00 Uhr
ZAUGg bündelt Gastro-Ausbildung in Gießen
Gießen/Lich (no/pm). Landrätin Anita Schneider (SPD), gerade sieben Wochen im Amt, hat nicht lang gefackelt, nachdem sie in der zu Ende gehenden Woche wegen der von anderer Seite denkbar schlecht kommunizierten ZAUGg-Ankündigung, das Ausbildungsrestaurant »Am Park« in Lich werde aus wirtschaftlichen Gründen alsbald geschlossen, auch aus den eigenen Reihen politisch unter Druck geraten war.
Auf ihre Einladung hin fand am Donnerstag eine außerordentliche Sitzung der Gesellschafterversammlung des gemeinnützigen Beschäftigungsträgers Zentrum Arbeit und Umwelt Gießen statt, der - neben dem Kreis - alle Städte und Gemeinden angehören; die Stadt Gießen inklusive. Auf Nachfrage sagte die Landrätin am gestrigen Freitag, die Gesellschafter hätten »die operative Entscheidung der ZAUG-Geschäftsführung bestätigt«, allerdings im selben Atemzug eine Neuaufstellung der regionalen Beschäftigungspolitik gefordert. Und: Die Beschlüsse zur angestrebten Zusammenlegung der Ausbildungsrestaurants der ZAUGg am Standort Gießen würden in der Gesellschafterversammlung im Mai getroffen.
Die Geschäftsführung habe unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten richtig gehandelt, beschrieb Schneider den Tenor der Versammlung.
Die Weiterführung des Restaurants »Am Park« sei keine neue Fragestellung gewesen, sondern bereits vor zwei Jahren aufgrund der wirtschaftlichen Ergebnisse zur Debatte gestanden. Nun habe sich die Situation durch den Wegfall von acht Plätzen im Bereich der Arbeitsgelegenheiten verschärft, drohten in den Folgejahren erhebliche Verluste. »Hier war dringender Handlungsbedarf gegeben.«
In der Folge habe man dem Vorschlag folgen können, die Ausbildungsrestaurants am Standort Gießen zusammenzulegen. Dort betreibt das ZAUGg mit Erfolg die »Lahnterrasse« (SKC) an der Bootshausstraße. Laut Schneider »bündelt dies die Kräfte und Synergien für den langfristigen Erhalt der Ausbildung und Qualifizierung im Bereich Gastronomie«. Die Licher Auszubildenden würden übernommen, zusätzliche Ausbildungsplätze akquiriert.
Kritische Töne der Gesellschafter hätten der Förderpolitik der vom Kreis mehrheitlich getragenen Gesellschaft für Integration und Arbeit Gießen (GIAG) gegolten. Diese sei »zu wenig auf die regionalen Bedarfe und Strukturen ausgerichtet«. Laut Schneider werden der Umfang der Arbeitsgelegenheiten (»Ein-Euro-Jobs«) verringert, Plätze für gemeinnützige Beschäftigung für 2010 gekürzt, Plätze über Entgeltvarianten liefen aus, neue Ausbildungsplätze für 2010 seien ungeklärt.
Gleichzeitig vermissten die Gesellschafter Alternativen. Insbesondere erwartet der Licher Bürgermeister Bernd Klein eine Antwort darauf, wie sich der Kreis als Mehrheitsgesellschafter der GIAG und des ZAUGg eine aktive Beschäftigungspolitik im ländlichen Raum vorstellt. »Wir brauchen«, so Schneider, »eine Verständigung über sozialraumbezogene Projekte, Bürgerarbeit und insbesondere Angebote von Qualifizierung für langzeitarbeitslose Erwachsene, die Einfluss auf die Gestaltung der Eingliederungsinstrumente nimmt.« Es gehe um Qualifizierungsprojekte in zukunftsfähigen Arbeitsfeldern, etwa der erneuerbaren Energien. Hierzu habe das ZAUGg Konzepte entwickelt. Letztlich fordert die Landrätin »eine konstruktive Diskussion mit der GIAG; dies auch gerade vor dem Hintergrund, dass wir prozentual viele Langzeitarbeitslose ohne Berufsausbildung haben«.
Die Linken fordern Restaurant-Erhalt in Lich
Die Linken im Kreistag um Hans-Jürgen Geselle aus Pohlheim forderten in einer Pressemitteilung vom Freitag, das Ausbildungsrestaurant in Lich müsse erhalten bleiben. Landkreis Gießen und Stadt Lich stünden in der Pflicht, »wesentlich mehr Fördermittel« beizusteuern. Eine Schließung verringere das Angebot an Ausbildungsplätzen mit hoher Qualität, stelle zudem einen massiven Verlust für Lich und die Region dar. Zudem genieße das Haus einen hervorragenden Ruf und biete im mittleren Preissegment eine hochwertige Verköstigung an. Geselle: »Verloren gehen (...) viele Ausbildungsplätze für junge Menschen mit Ausbildungshemmnissen, die in den gewinnorientierten Unternehmen am Markt nur geringe Chancen auf eine Lehrstelle haben. Die ZAUG gGmbH ist gerade hierfür gegründet worden.« Zu kritisieren sei allerdings der geregelte Einsatz von »Ein-Euro-Jobbern«. »Hartz IV«-Empfänger seien ausgenutzt worden.