Lich (mlu). Mit der neuen Veranstaltungsreihe »Midde in de Woch’, midde im Dorf« will der Dorfladenverein in Eberstadt Geld für sein Projekt einsammeln. Den Auftakt bildete am Mittwoch eine Weinprobe im Dorfgemeinschaftshaus.
Der »Pfaffenhof« in Eberstadt: In dieses historischen Gebäude soll der Dorfladen mitsamt Café einziehen. (Fotos: mlu/pm)
»Wein saufen ist Sünde. Wein trinken ist beten. Lasset uns beten.« So äußerte sich einmal Bundepräsident Theodor Heuss. Und gebetet wurde so verstanden am Mittwochabend im Dorfgemeinschaftshaus in Eberstadt, als der jüngst gegründete »Dorfladenverein« seine Veranstaltungsreihe »Midde in de Woch’, midde im Dorf« mit einer Weinverkostung eröffnete. Obwohl Eberstadt im unmittelbaren Einzugsgebiet einer Bierquelle liegt, waren alle 70 Stühle besetzt – und Bier trinken war an diesem Abend ein Sakrileg.
Wie berichtetet, gründete sich der Verein »Dorf- und Kulturladen Eberstadt«, um Nahversorgung und Belebung des Dorfes in die eigene Hand zu nehmen. Eine »Bau-AG« erarbeitete ein Raumkonzept für die alte Schule, wo dereinst der Laden florieren soll. Laut Ulrike Traxler-Schmoranz, der Vorsitzenden des Dorfladenvereins, wurden nunmehr alle vorläufigen Papierarbeiten – Projektbeschreibung, Business-Plan – abgeschlossen, um sie alsbald den städtischen Gremien vorlegen zu können, vor allem aber, um die begehrten EU-Fördermittel aus dem Leader-Programm, das der Entwicklung ländlicher Räume dient, anzapfen zu können – pardon, zu entkorken. Die Weinverkostung vom Mittwochabend war der erste Schritt in der Umsetzung des Finanzierungskonzeptes, das sich die kreativen Köpfe der AG-Sponsoring ausgedacht haben. Als Experten begrüßte Traxler-Schmoranz den Winzer und Kellermeister Hermann Schmoranz – ihren Schwager. Das nennt man: eigene Ressourcen aktivieren. Der Weinkenner aus dem Rheingau interpretierte die edlen Tropfen, die die heimische Geschäftswelt – vorwiegend Gastronomen – gestiftet hatte. Beiläufig machte der Weinprofi seine seligen Mitverkoster auch mit der Praxis seiner Kunst vertraut, erläuterte Traubensorten und deren Veredelung zum Wein, von dem zwischendurch – welch ein Aroma – immer wieder mit gespitzten Lippen genippt wurde.
20 der 70 Besucher waren übrigens sogenannte Ehrengäste – Vertreter der Vereine, der Kirchengemeinden, der Politik – die ihre kostenlose Teilnahme am »Tasting« am Spendenkörbchen wieder wett machen konnten. So etwas nennt man wohl: Integration. Den Saal des Dorfgemeinschaftshauses hatten die Damen vom Dorfladenverein so liebevoll hergerichtet, dass man sich beinahe in einer Weinlaube wähnte. Und mit der Klezmermusik, auf die Kellermeister Schmoranz offenbar großen Wert legte, bekam die Veranstaltung jene heiter-sakrale Note, die wieder an Heuss denken ließ. Denn schließlich wurde nicht gesoffen, sondern getrunken. Also gebetet.
Die nächste Veranstaltung von »Midde in de Woch» findet übrigens am 15. Februar statt. Praktische und theoretische Antworten auf unmögliche Fragen gibt dann der Licher Jazzer Helmut Fischer, wenn es heißt: »Jazz im Dorf, geht das?«