Sie sind hier: Startseite » Kreis » Städte und Gemeinden » Lich »

Verkehrsführung in Lich: Schwierige Lösungssuche

  Anzeige

Artikel vom 11.01.2017 - 16.04 Uhr

Verkehrsführung in Lich: Schwierige Lösungssuche

Lich (ti). Die Rückkehr zur alten Verkehrsführung, eine verlängerte Ampelschaltung am Ende der Braugasse, ein Kreisel im Bereich Garbenteicher, Kolnhäuser und Gießener Straße oder gar den Bau einer Südtangente wie schon vor 20 Jahren angepeilt? Eine Lösung für das Verkehrsproblem in Lich haben die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung noch nicht.

_1KREISGIESSEN34-B_100320
Lupe - Artikelbild vergrössern
Zu den Stoßzeiten ist in der Licher Innenstadt schlecht Vorwärtskommen. Ein neuralgischer Punkt ist die Braugasse. (Archivfoto: ti)
© Tina Jung
In ihrer jüngsten Sitzung diskutierten sie aber schon einmal intensiv und räumten am Ende drei Themen Priorität ein: einer besseren Querung der Kernstadt, dem ruhenden Verkehr bzw. Stellplätzen sowie den Belangen von Fußgängern, Radfahrern und benachteiligten Verkehrsteilnehmern.

Zum Einstieg gab Bürgermeister Bernd Klein einen Überblick über die Entwicklung der Verkehrssituation, ging auf frühere Planungen, insbesondere das Stadtentwicklungskonzept von 2001, ein. Das damalige Problem in seinen Augen: Vieles sei diskutiert worden, aber die konkrete Auseinandersetzung mit dem Machbaren habe gefehlt. Das muss aus Kleins Sicht diesmal anders laufen: »Sie müssen sich darüber klar werden, was sie wollen«, forderte er die Kommunalpolitiker mehr als einmal auf.

Gewollt ist vor allem eine Entlastung der Innenstadt, denn in ihr wird zu Stoßzeiten ein Durchkommen immer problematischer. Beispiel Braugasse: Vor allem am Nachmittag dauert es mehrere Ampelschaltungen lang, bis man als Autofahrer auf der Gießener Straße angekommen ist und endlich stadtauswärts fahren kann. Ein Problem für die Rettungskräfte? Ja, bestätigte Stadtbrandinspektor Marco Römer. Doch die Situation an dieser Stelle sei schon immer schwierig gewesen und heute besser als früher. Feuerwehr und Rettungsdienst hätten sich 2010 bewusst für die aktuelle Verkehrsführung entschieden, da die andere Richtung am Jugendzentrum und der Ausfahrt am Wall problematischer sei. Eine erneute Änderung schloss Klein aber definitiv aus.

Neues Thema: Siedlungsentwicklung

Einer der rund 20 Zuhörer brachte die Möglichkeit einer »intelligenten Ampelanlage« am Ende der Braugasse ins Spiel. Laut Klein ist diese heute schon 20 Sekunden länger geschaltet als früher. Aber darüber entscheide Hessen Mobil. Reimund Marx – er und andere Bürger durften während der Sitzungsunterbrechung mitdiskutieren – sagte, dass die Behörde zur Zusammenarbeit bereit sei, wenn »harte Zahlen« vorlägen. Klein erklärte sich bereit, Letztere vorzulegen.

Mit Blick auf die Entlastung der Innenstadt wurde auch über die bereits in den 1990er Jahren diskutierte Südtangente gesprochen. Ob eine Reaktivierung der Idee im Bereich des Möglichen oder nur Utopie sei, wollte Apotheker Christian Herde wissen. »Es ist eine Lösung«, so der Rathauschef. »Ob es die einzige ist, das gilt es hier zu klären.« Reimund Marx meinte, dass sich der Bau einer Umgehung positiv auf die vielbefahrene und unfallträchtige B457 auswirke. Das könnte den Lichern bei einer Umsetzung in die Hände spielen. Ebenfalls thematisiert wurde die Möglichkeit eines Kreisverkehrs im Bereich Braugasse, Kolnhäuser, Garbenteicher und Gießener Straße. Doch für diesen, so der Rathauschef, reiche der vorhandene Platz nicht aus.

Armin Neumann (SPD) kamen in der ganzen Diskussion Fußgänger und Radfahrer zu kurz, ebenso der ruhende Verkehr, der aus Sicht Kleins ein enormes Problem darstellt – vor allem abends und nachts parken offenbar viele Fahrzeuge in nicht eingezeichneten Flächen, beispielsweise am Klinikberg. Neumann regte an, sich damit in der nächsten Sitzung zu beschäftigen, was Dennis Pucher (FDP) für sinnvoll hielt. Andere jedoch drängten angesichts der vielfältigen Problematik darauf, zunächst die »Oberthemen zu umreißen und später in die Tiefe zu gehen« (Josef Benner, FW). Es sei ohnehin nicht möglich, den Verkehr losgelöst von Siedlungs- und Gewerbeentwicklung zu betrachten, befand Andrea Kaup (FDP). Auch der Bürgermeister warnte davor, sich zu verzetteln und dabei das Gesamtziel aus den Augen zu verlieren. »Sie müssen nicht jedes Problem bis ins Kleinste diskutieren. Das sollen später Experten machen.« Michael Pieck (Grüne) kritisierte, dass »die Diskussionen hier von links nach rechts laufen. Wir müssen endlich anfangen zu handeln«.

Was den Verkehr in den Stadtteilen angeht, einigte man sich darauf, das Votum der Ortsbeiräte abzuwarten. In der nächsten Sitzung will sich der Ausschuss mit dem Thema Siedlungsentwicklung beschäftigen.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 11.01.2017 - 16.04 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Leserkommentare
(12.01.2017 19:09)
Leser
Zuständigkeit Ampel
Die Ampel wird von Hessen Mobil als Straßenbaulastträger betrieben, also programmiert und unterhalten. Für die Festlegung, wann sie rot und grün zeigt, war früher der Landkreis zuständig, als die Straße noch Bundesstraße war. Seitdem sie Landesstraße ist, ist alleine die Straßenverkehrsbehörde der Stadt Lich zuständig. Die Stadt Lich kann also ganz alleine vorgeben, wie Hessen Mobil die Ampel zu programmieren hat. Sie bräuchte dafür nur kundiges Personal oder müsste dafür einen Auftrag an Siemens geben, so dass eine Änderung zwar viel geld kostet, aber durch die Stadt Lich veranlasst werden kann. Schade, dass dies die zuständigen Personen die Zuständigkeiten laut dem Artikel nicht kennen. Einfach mal in § 10, Absatz 1, Nr. 2c der VkRZustV "Verordnung zur Bestimmung verkehrsrechtlicher Zuständigkeiten" nachschlagen.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang